Atemwegskrankheiten

Influenza-Viren mit Phytotherapie bekämpfen

Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Option. Offenbar können sie auch die Vermehrung von Influenza-Viren hemmen: Eine Gießener Forschergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent nachweisen.

Von Werner Stingl Veröffentlicht: 16.12.2010, 14:22 Uhr
Influenza-Viren mit Phytotherapie bekämpfen

Bei akuten Atemwegsinfektionen verschaffen sich Patienten mit warmen Getränken und pflanzlichen Arzneimitteln Linderung.

© Danel / fotolia.com

MÜNCHEN. Die Vermehrung von Influenza-Viren kann auch phytotherapeutisch gehemmt werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem pflanzlichen Arzneimittel nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atem- und Harnwege eingesetzt wird.

Als wirksame Hauptinhaltsstoffe eines standardisierten Extraktgemisches aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (Angocin® Anti-Infekt N) gelten Senföle wie etwa Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat. Das hat Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen erklärt.

Senföle sind Bestandteile der natürlichen Abwehr, mit der sich scharfschmeckende Pflanzen vor Keimen, Parasiten und Fressfeinden schützen. Senföle entstehen akut, wenn bei einer Verletzung pflanzlicher Gerüststrukturen Glucosinolate als inaktive Senfölvorstufe mit dem Enzym Myrosinase zusammengeführt werden.

Senföle beziehungsweise senfölhaltige Pflanzen und Pflanzenextrakte werden traditionell gegen bakterielle und virale Infekte von Harn- und Atemwegen eingesetzt - und teilweise sind sie auch schon in Studien geprüft, so Pleschka auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München.

Eine gute bakteriostatische und dabei "resistenzresistente" Invitro-Aktivität von Senfölen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse - auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) -wurde bereits belegt.

Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat jetzt untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirken. Dabei fanden sie, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent reduziert.

Dabei wurden Senfölkonzentrationen verwendet, bei denen in Voruntersuchungen keine toxischen Effekte auf kultivierte Lungenepithelzellen zu beobachten waren. Solche Konzentrationen ließen sich bei oraler Verordnung entsprechender Präparate durchaus im Zielgewebe erreichen, so Pleschka.

Wie die Senföle die Virusvermehrung hemmen und inwieweit sich der beim Schweinegrippe-Virus gezeigte Effekt auch bei anderen Influenza-Viren reproduzieren lässt, ist Gegenstand von Nachfolgeuntersuchungen.

Pleschka und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Senföle nicht direkt das Virus angreifen, sondern die Wirtszell-Virus-Interaktion zum Nachteil des Virus stören. Ein solches Wirkprinzip wäre auch besser als ein direkter antiviraler Angriff vor viralen Resistenzentwicklungen gefeit, sagte Pleschka.

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