Kinder mit Diabetes

Insulinpumpen verbessern Zuckerwerte und Lebensqualität

Besonders junge Diabetiker und ihre Eltern schätzen Insulinpumpen als Garant für eine in der Regel komfortable, sichere und erfolgreiche Therapie. Studiendaten belegen den Nutzen.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht: 25.04.2019, 10:10 Uhr

BERLIN. Zuckerkranke Kinder und Jugendliche profitieren von Insulinpumpen. So verhilft die Therapie mit der "continuous subcutaneous insulin infusion" (CSII) den jungen Typ-1Diabetikern im Vergleich zu Injektionstherapien zu einer besseren Stoffwechseleinstellung bei weniger Komplikationen, außerdem wird bei den Patienten und ihren Eltern die Lebensqualität deutlich gesteigert, berichtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung.

Die DDG verweist hier auf eine große Analyse von Daten der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV). Die Beobachtungsstudie wurde von 2011 bis 2015 an 350 Diabeteszentren in Deutschland, Österreich und Luxemburg vorgenommen (wir berichteten).

Miteinander verglichen wurden dabei Therapieergebnisse von je 9814 Kindern und Jugendlichen (Alter im Schnitt 14 Jahre) mit Pumpentherapie oder mit Injektionstherapie (JAMA 2017; 318: 1358).

Ergebnisse: In der Gruppe mit Insulinpumpe war im Vergleich die Häufigkeit schwerer Hypoglykämien niedriger (9,55 versus 13,97 pro 100 Patienten/Jahr), ebenso die Raten von Hyperglykämien mit Bewusstlosigkeit (2,30 versus 2,96 pro 100/Jahr) und von Ketoazidosen (3,64 versus 4,26 pro 100/Jahr).

Der mittlere HbA1c-Wert war bei Pumpentherapie besser (8,04 versus 8,22 Prozent). Pumpenpatienten brauchten zudem weniger Insulin (0,84 versus 0,98 IE pro kg KG und Tag), während sich der Body-Mass-Index-Wert zwischen beiden Gruppen nicht unterschied.

Studie mit über 200 Kindern mit Typ-1-Diabetes

Über einen günstigen psychosozialen Effekt der Pumpentherapie berichten zudem Forscher um Esther Müller-Godeffroy vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck (Pediatr Diabetes 2018; 19:1471).

An der Studie hatten 211 Sechs- bis 16-Jährige mit Typ-1-Diabetes und ihre Eltern teilgenommen. Bei je etwa der Hälfte wurde eine Therapie mit CSII gestartet oder eine multiple Insulin-Injektionstherapie beibehalten.

Ergebnis: Die Lebensqualität der Betroffenen mit Insulinpumpe stieg erheblich, da Eltern von der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle und Insulin-Versorgung entlastet wurden.

Die DDG verweist darauf, dass der Blutzucker von Kindern häufig stark schwankt. Unregelmäßige Mahlzeiten und Bewegung sowie Wachstumsschübe wirken sich erheblich auf den Zuckerstoffwechsel aus. Dies bedarf häufig schneller Insulinanpassungen, um schweren Nebenwirkungen vorzubeugen.

Deshalb wird auch in der S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes insbesondere bei häufigen Unterzuckerungen, sehr schwankenden Blutzuckerwerten und unzureichender glykämischer Kontrolle eine Therapie mit Insulinpumpe empfohlen. Wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die Patienten und ihre Eltern gut geschult werden.

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