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Diabetiker

Intensive Blutdrucksenkung erhöht nicht die Sturzgefahr

Erhalten hypertone Diabetiker eine intensive blutdrucksenkende Therapie, müssen sie deswegen nicht mit häufigen Stürzen rechnen - ganz im Gegenteil.

Veröffentlicht:

MINNEAPOLIS. Seit geraumer Zeit wird diskutiert, ob eine antihypertensive Behandlung bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen kann. Einige Ärzte fordern sogar, bei alten Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen den Nutzen einer Hochdrucktherapie sorgfältig gegen die potenziellen Risiken wie Hüftfrakturen und Kopfverletzungen abzuwägen.

Neue Daten dazu geben hier allerdings eher Entwarnung, berichten Forscher um Dr. Karen Margolis aus Minneapolis. Sie haben dazu die ACCORD*-Blutdruck-Studie ausgewertet ( J Gen Intern Med 2914; online 16. August).

In der Untersuchung wurde bei hypertonen Diabetikern der Blutdruck entweder moderat (unter 140 mmHg systolisch) oder intensiv (unter 120 mmHg) gesenkt. Dabei ließen sich Angaben von 3100 Patienten auswerten, bei denen auch Stürze und Frakturen erhoben wurden.

70 Stürze auf 100 Personenjahre

Die Forscher ermittelten knapp 70 Stürze auf 100 Personenjahre. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen; in der Gruppe mit intensiver Behandlung lag die Sturzrate mit 62 versus 74 Stürzen auf 100 Personenjahre tendenziell sogar niedriger als bei Patienten mit moderater Blutdrucksenkung.

Entsprechend war auch das Frakturrisiko in der intensiv behandelten Gruppe niedriger, und zwar um etwa 20 Prozent.

Der Unterschied verfehlte aber knapp das Signifikanzniveau. Letztlich stützt also auch die ACCORD-Studie nicht die Hypothese, dass die Blutdrucksenkung das Sturz- und Frakturrisiko erhöht, eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Allerdings waren die Patienten in ACCORD mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren relativ jung und hatten daher ein recht geringes Sturzrisiko, auch gab es keine unbehandelte Kontrollgruppe.

Dennoch mag der Trend zu einer reduzierten Frakturrate in ACCORD bei einer guten Blutdrucksenkung überraschen. Eine mögliche Erklärung dafür könnte der hohe Anteil von Patienten sein, die in diesen Studien mit Thiaziden oder Thiazid-ähnlichen Diuretika behandelt worden sind.

Diese senken die Kalziumausscheidung über die Nieren. In Untersuchungen mit Thiaziden wurde ein reduziertes Frakturrisiko beobachtet. (mut)

*ACCORD: Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ungewisses Sturzrisiko

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 28.08.201421:46 Uhr

kann man bitte nicht verallgemeinern, wie hier verkauft!

Wer einen Blick in das paper wirft, erkennt zunächst, dass hier (fast) gar keine Blutdrucksenkung (von 140 auf 135 systolisch) mit Blutdrucksenkung verglichen wird, die man bezogen auf den Ausgangswert nicht gerade als radikal bezeichnen kann.
Weiterhin zeigt der völlig normale diastolische RR-Ausgangsbefung eigentlich noch eine Frühform der Hypertonie mit gesunden Gefäßen. Trotzdem:
"About one-third of participants in both groups reported feelings of unsteadiness or imbalance, and more active treatment group participants (12.8 %) than placebo group participants (10.6 %) reported faintness on standing."
Zweifellos sind Amerikaner exzellente Statistiker,
das schützt aber leider nicht vor Ideologieen, wie die übertriebene Kochsalzeinschränkung etc.

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