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UN "läutet Alarmglocke"

Kampf gegen Aids weniger erfolgreich als erhofft

Die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen sinkt nicht schnell genug, mahnen die Vereinten Nationen.

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GENF. Die Vereinten Nationen sehen die Ziele beim Kampf gegen Aids gefährdet. In 50 Ländern der Welt steige die Zahl der HIV-Neuinfektionen an, warnte der Chef von Unaids, Michel Sidibé, am Mittwoch. "Wir läuten die Alarmglocke."

Ganze Regionen machten Rückschritte. Die Erfolge bei der Neuinfektion von Kindern seien nicht nachhaltig, die Mittel seien geringer als von vielen Politikern versprochen und zentrale Bevölkerungsgruppen würden ignoriert, so Sidibé.

Seit 2010 sei die Zahl der Neuinfektionen um 18 Prozent auf 1,8 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Der Rückgang sei aber nicht schnell genug, um das Ziel von weniger als 500.000 neu Infizierten bis 2020 zu schaffen.

Die 20,6 Milliarden Dollar (17,6 Milliarden Euro), die 2017 für Maßnahmen gegen Aids und HIV zur Verfügung standen, werden laut Sidibé nicht ausreichen. Das Erreichen der Ziele für 2020 werde nur mit zusätzlichen Mitteln möglich sein.

2017 waren weltweit 36,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die meisten davon in Afrika. 21,7 Millionen Patienten erhielten eine antiretrovirale Therapie – soviele wie nie zuvor.

Fortschritte in Afrika, Stocken in Osteuropa

In den einst am schlimmsten betroffenen Ländern im östlichen und südlichen Afrika seien die Fortschritte am deutlichsten, heißt es in dem Unaids-Bericht. Er wurde wenige Tage vor der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam vorgestellt, die am 23. Juli beginnt.

Allerdings habe sich in Osteuropa und in Teilen Asiens die Zahl der Neuinfektionen sogar verdoppelt. Auch im Mittleren Osten sowie im Norden Afrikas infizierten sich immer mehr Menschen mit dem HI-Virus. Betroffen sind vor allem Frauen. Nicht zuletzt wegen sexueller Gewalt würden wöchentlich 6600 junge Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV angesteckt.

In Deutschland sind nach Schätzung der Deutschen Aidshilfe rund 90.000 Menschen mit HIV infiziert. Jährlich steckten sich etwa 3100 Menschen neu an. "Die Zahl ist seit zehn Jahren stabil und im internationalen Vergleich eher gering", sagte Aidshilfe-Sprecher Holger Wicht. Dennoch könne noch mehr getan werden.

Ähnlich wie in Großbritannien, Australien und den Niederlanden sollte die Präexpositionsprophylaxe von den Krankenkassen für Risikogruppen wie homosexuelle Männer bezahlt werden, so Wicht. Auch noch mehr Drogenkonsumräume, wo die Drogen unter hygienischen Bedingungen gespritzt würden, wären hilfreich.

2017 starben rund 940.000 Menschen an den Folgen von HIV. Seit Beginn der weltweiten Epidemie Mitte der 1980er Jahre sind 77,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert worden. 35,4 Millionen Patienten sind gestorben.

2020 sollen laut UN weltweit 90 Prozent der von HIV-Betroffenen über ihre Infektion Bescheid wissen, 90 Prozent davon in Behandlung sein. Bei wiederum 90 Prozent davon soll das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar sein. (dpa)

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