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Kann auch nur wenig Alkohol Feten schaden?

BRISTOL (mut). Absolut kein Alkohol! Das sollten Ärzte nach einer britischen Studie jetzt wohl allen Schwangeren empfehlen. Selbst auf ein Glas Bier oder Wein pro Woche sollten sie im ersten Trimenon verzichten. Denn die Studie liefert Hinweise, dass auch wenig Alkohol in der Schwangerschaft zu Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern führen kann. Vor allem werdende Mädchen sind offenbar gefährdet.

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Dieses verblüffende Fazit ziehen Wissenschaftler um Dr. Kapil Sayal aus Bristol aus einer Studie mit über 9000 jungen Müttern und ihren Kindern. Die Forscher sind selbst von dem Ergebnis überrascht: Sie hatten nicht damit gerechnet, dass auch geringste Alkoholmengen den werdenden Kindern schaden könnten.

Generell wird zwar Müttern zur Alkoholabstinenz während der Schwangerschaft geraten, doch eindeutig belegt ist ein Schaden für den Nachwuchs in Studien bislang nur, wenn die Schwangeren mehr als ein bis zwei Gläschen Bier oder Wein trinken - und zwar pro Tag, berichten die Forscher (Pediatrics, 119, 2007, e426).

In ihrer Studie hatten sie gezielt den Effekt von geringen Alkoholmengen untersucht. Sie fragten fast alle schwangeren Frauen in der Region Avon im Südwesten Englands in den Jahren 1991 und 1992 nach ihrem Alkoholkonsum im ersten Trimenon. Dazu beantworteten die Frauen in der 18. Schwangerschaftswoche einen Fragebogen. 44 Prozent gaben an, in der Schwangerschaft gar keinen Alkohol zu trinken, 40 Prozent tranken weniger als ein Glas (definiert als 8 g Alkohol) und 16 Prozent mehr als ein Glas pro Woche. Ihre Kinder wurden vier, sieben und neun Jahre nach der Geburt mit einem speziellen Fragebogen auf Verhaltensauffälligkeiten geprüft.

Das Ergebnis: Im Alter von vier Jahren hatten 3,9 Prozent der Mädchen von komplett abstinenten Frauen emotionale Störungen, Hyperaktivität oder andere Verhaltensprobleme. 5,3 Prozent der Mädchen waren es von Frauen mit weniger als einem und knapp 5 Prozent von Frauen mit über einem Glas Alkohol pro Woche. Daraus berechneten die Forscher, dass von Frauen mit weniger als einem Glas Alkohol pro Woche 37 Prozent mehr Mädchen verhaltensauffällig sind als von komplett abstinenten Frauen.

Bei Jungs fällt der Effekt von geringen Alkoholmengen offenbar nicht ins Gewicht: Sie sind generell verhaltensauffälliger als Mädchen. Die Rate bei abstinenten Müttern lag mit 7,8 Prozent ähnlich hoch wie bei Müttern mit weniger als einem Glas Alkohol pro Woche (7,6 Prozent) und war erst bei Müttern mit über einem Glas pro Woche deutlich erhöht (10,3 Prozent).

Neun Jahre nach der Geburt ließ sich bei Jungs zudem kein Einfluss des Alkohols mehr nachweisen: Verhaltensauffälligkeiten waren mit 11 bis 12 Prozent in allen Gruppen recht häufig. Bei Mädchen von abstinenten Müttern war die Rate dagegen noch immer deutlich niedriger (2,1 Prozent) als bei Müttern mit weniger als einem Glas pro Woche (3,3 Prozent).

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