Rheuma

Kein Tabu: Wintersport bei Rheuma

Garmisch-Partenkirchen (gvg). Wintersport und Rheuma? Auf den ersten Blick passt das nicht gut zusammen. Doch für Rheuma-Patienten muss Wintersport nicht tabu sein, wenn einige Regeln befolgt werden.

Veröffentlicht: 12.03.2008, 05:00 Uhr

Studien zum Thema Sport und Rheuma sind rar. Und sie sind widersprüchlich, wie Dr. Diethard Kaufmann aus Oberammergau betont.

In einer 24-wöchigen Studie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) etwa schnitten die Patienten, die ein intensives Krafttraining absolvierten, bei Schmerzempfinden und Lebensqualität besser ab als jene mit Krankengymnastik. In einer anderen Studie kam es dagegen zu einer stärkeren Progression bei vorgeschädigten großen Gelenken.

Mit Blick auf den Wintersport plädierte Kaufmann deswegen für differenzierte Empfehlungen an die Patienten: "Bei geringer Krankheitsaktivität ist Wintersport sicher sinnvoll und zu empfehlen", so Kaufmann. Auf Sport verzichtet werden sollte dagegen bei mittlerer bis hoher Krankheitsaktivität, bei einer Beteiligung großer Gelenke sowie bei kardiopulmonaler Beteiligung.

"Vor allem aber ist bei RA-Patienten auf die Halswirbelsäule zu achten", betonte Kaufmann. Besteht hier eine Dislokation des Dens, dann kann schon ein mildes Trauma, etwa beim Alpin-Skifahren, schwere neurologische Symptome auslösen. Eine HWS-Beteiligung wird vor allem bei stark fortgeschrittener RA beobachtet. "Im Zweifel sollten Patienten vor Aufnahme einer sportlichen Aktivität per MRT untersucht werden", betonte Kaufmann.

Seine Empfehlung an Rheumapatienten ist Skilanglauf. "Für RA-Patienten, vor allem aber für Patienten mit Morbus Bechterew ist das eine sehr elegante Sportart." Skilanglauf steigert nicht nur die Kondition. Für Bechterew-Patienten bietet es gleichzeitig Atemgymnastik, Dehnungsübungen am gesamten Rumpf und das wichtige Training der Muskulatur am Beckengürtel.

Zu Wintersportarten, die die Wirbelsäule erschüttern, etwa Eishockey und Alpin-Skifahren, rät Kaufmann nur bei zurückhaltendem Fahrstil und guten äußeren Bedingungen.

Langlauf ist nicht gleich Langlauf

Beim Langlauf unterscheiden Sportler den "klassischen Stil" (Parallel-Stil) und das körperlich anspruchsvollere "Skating" (V-Stil). Letzterer ähnelt im Bewegungsablauf eher dem Roll- oder Schlittschuhlaufen. Beim Skating ist die Sturzgefahr anfangs höher, und bei schlechter Technik ist die Kniebelastung durch den seitlichen Abdruck sehr hoch. Das kann vor allem bei Rheumapatienten mit instabilem Kniegelenk gefährlich sein. Vorteil des Skatings aus therapeutischer Sicht ist allerdings, dass es die koordinativen Fähigkeiten deutlich mehr trainiert, und dass es stärker als der klassische Stil als "Ganzkörpertraining" angesehen werden kann. Dr. Renate Häfner aus Garmisch empfiehlt deswegen all jenen den Skating-Stil, die ihn beherrschen und die stabile Kniegelenke haben. (gvg)

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