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Kinder mit Rheuma: Trotz Arthritis beim Sport mit dabei

Von Dr. Bianca BachDr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Gemeinsamer Sport im Verein: Auch bei Kindern und Jugendlichen mit juveniler idiopathischer Arthritis beliebt.

Gemeinsamer Sport im Verein: Auch bei Kindern und Jugendlichen mit juveniler idiopathischer Arthritis beliebt.

© kali9 / Getty Images / iStock

Zürich. Bewegung und Sport fördern die körperliche und psychosoziale Entwicklung und verringern das Risiko für Stoffwechselerkrankungen. Kinder und Jugendliche mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) profitieren außerdem von einer möglichen Verbesserung des Gleichgewichts zwischen pro- und antiinflammatorischen Prozessen. Nach einer aktuellen Fall-Kontroll-Studie aus Deutschland erreichen JIA-Patienten das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sich täglich 60 Minuten zu bewegen, sogar öfter als Gleichaltrige in der Normalbevölkerung. Hindernisse scheinen vor allem gesundheitliche Einschränkungen zu sein.

Verglichen wurden nationale kinderrheumatologische Registerdaten von 2019 mit denen von 5333 nach Alter und Geschlecht gematchten Kontrollen aus der KIGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Dr. Florian Milatz vom Rheumaforschungszentrum in Berlin stellte die Studie jetzt beim Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) in einer Posterpräsentation vor.

Am aktivsten waren die Jüngsten

67 Prozent der Teilnehmer waren Mädchen. Das Durchschnittsalter bei der Befragung lag bei elf Jahren, die JIA bestand im Schnitt seit rund fünf Jahren. Die häufigsten Krankheitsbilder waren eine persistierende Oligoarthritis in 41 Prozent und eine Rheumafaktor-negative Polyarthritis in 22 Prozent.

Fast 38 Prozent der Patienten und 21 Prozent der Kontrollen erfüllten die Vorgaben der WHO. Insgesamt bewegten sich in allen Altersgruppen mehr Kinder und Jugendliche mit JIA mindestens eine Stunde am Tag als in der Allgemeinbevölkerung. Am aktivsten waren die Jüngsten: Die empfohlenen WHO-Vorgaben erreichten hier nahezu 80 Prozent. In der Allgemeinbevölkerung gelang das gerade einmal der Hälfte. In beiden Gruppen nahm die Aktivität mit dem Alter ab.

Zwar gaben insgesamt verglichen mit 74 Prozent in der Kontroll-Gruppe nur 64 Prozent der JIA-Patienten an, regelmäßig Sport zu machen. Die Rheumakranken taten das aber mit 72 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent öfter in organisierter Form, etwa im Sportverein. Insgesamt nahmen mehr Jungen als Mädchen an organisiertem Sport teil.

Fehlende Zeit?: Meist nicht das Problem!

Als häufigste Gründe, keinen Sport zu treiben, gaben unter den Kindern und Jugendlichen mit JIA 27 Prozent kein Interesse, 25 Prozent keine geeigneten Angebote in der Umgebung, 22 Prozent gesundheitliche Einschränkungen und 15 fehlende Zeit an. Bei den Kontrollen waren das 29, 31, vier und 23 Prozent.

Am deutlichsten mit einer Nicht-Teilnahme am Sport assoziiert war dabei die erlebte funktionelle Behinderung im Alltag, erfasst mit dem Childhood Health Assessment Questionnaire CHAQ. Er machte es um 79 Prozent wahrscheinlicher, dass die Kinder keinen Sport machten. Die notwendige Einnahme von Disease Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs) erhöhte die Wahrscheinlichkeit um 32 Prozent. Assoziationen zu Krankheitsdauer und -Aktivität waren geringer ausgeprägt.

„Da diese Ergebnisse ausschließlich auf selbstberichteten Daten beruht, wird eine zusätzliche objektive Beurteilung, die auch die Berücksichtigung zusätzlicher nicht-klinischer Hindernisse für körperliche Aktivität einschließt, dringend empfohlen“, schloss Milatz.

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