RKI-Auswertung

Kinder werden noch immer zu spät geimpft

Die entscheidenden Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind in allen Altersbereichen zu niedrig, kritisiert das Robert Koch-Institut. Es hat Daten zum Impfstatus aus Schuleingangsuntersuchungen und Abrechnungsdaten der niedergelassenen Ärzte ausgewertet.

Von Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Bei fast allen Impfungen von Kindern sind die Eltern zu spät dran, kritisiert das RKI.

Bei fast allen Impfungen von Kindern sind die Eltern zu spät dran, kritisiert das RKI.

© Konstantin Yuganov / stock.adobe.com

Berlin. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat zum ersten Mal Daten zum Impfstatus aus den Schuleingangsuntersuchungen und Abrechnungsdaten der niedergelassenen Ärzte in einem gemeinsamen Bericht ausgewertet und in einer Gesamtschau dargestellt. Nur in dieser Kombination lasse sich nachvollziehen, ob die Impfungen rechtzeitig erfolgten.

Das Ergebnis: Bei fast allen Impfungen gebe es die gleichen Defizite. Die Impfungen beginnen später als empfohlen und die Impfserien werden nicht zeitgerecht abgeschlossen, schreibt das RKI im aktuellen Epidemiologischen Bulletin (2020; 32/33).

Kinder zu lange ungeschützt

Dadurch würden wichtige Impfziele verfehlt und entscheidende Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland seien in allen Altersbereichen zu niedrig. Die Folge: Kinder blieben unnötig lange ungeschützt, kommentiert Professor Lothar H. Wieler, Präsident des RKI, den Bericht in einer Mitteilung zur Veröffentlichung.

Einen Anstieg der Impfquoten für alle Altersgruppen über die Zeit hätten fast ausschließlich die Impfungen, die erst in den letzten zehn bis gut 15 Jahren in den Impfkalender der Säuglinge aufgenommen wurden: Dies seien die Impfungen gegen Varizellen, Pneumokokken, Meningokokken C und Rotaviren.

Einen leichten Anstieg habe es auch bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung in den letzten zehn Jahren gegeben, trotzdem würde auch hier noch zu spät und insgesamt zu wenig geimpft: Im Alter von 24 Monaten seien zuletzt 68 Prozent zweimal gegen Masern geimpft gewesen, zum Schulstart hätten 93 Prozent der Kinder die zweite Impfung erhalten. Zum sechsten Geburtstag seien rund 35.000 Kinder in Deutschland noch gänzlich ohne Masernimpfung gewesen.

Junge Mädchen besser gegen HPV geschützt

Generell gebe es in den Auswertungen zum Impfstatus bei Schuleingang einen leichten Rückgang der Impfquoten bei den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten in den letzten Jahren. Bei der Impfung gegen Poliomyelitis und Haemophilus influenzae Typ B scheine er dagegen zum Stillstand gekommen zu sein. Die Impfquoten der Hepatitis-B-Impfung seien zum ersten Mal wieder leicht angestiegen (siehe nachfolgende Grafik).

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Die 15-jährigen Mädchen seien über die vergangenen Jahre immer besser gegen Humane Papillomaviren (HPV) geimpft. Dieser Anstieg gehe vermutlich vor allem auf das von der Ständigen Impfkommission 2014 gesenkte empfohlene Impfalter zurück, einer damit einhergehenden besseren Erreichbarkeit der Kinder über Routinevorsorgeuntersuchungen und der Möglichkeit eines reduzierten Impfschemas.

Wie stark die HPV-Impfung von Jungen genutzt wird, für die die HPV-Impfung seit 2018 empfohlen ist, werde ein Fokus des Berichts im kommenden Jahr sein.

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