Neurologie/Psychiatrie

Klinikkauf entpuppt sich als Bau-Alptraum

Vor zwei Jahren hat die Asklepios GmbH ehemalige niedersächsische Landeskliniken übernommen. Es offenbarten sich einige bauliche Kuriositäten.

Von Heidi Niemann Veröffentlicht:
Die ältesten Gebäude des früheren Landeskrankenhauses Göttingen stammen aus dem Jahr 1866. Viel Arbeit für Geschäftsführer Jens Betker.

Die ältesten Gebäude des früheren Landeskrankenhauses Göttingen stammen aus dem Jahr 1866. Viel Arbeit für Geschäftsführer Jens Betker.

© Foto: Rink

GÖTTINGEN. Vor knapp zwei Jahren endete für acht der insgesamt zehn niedersächsischen Landeskrankenhäuser (LKH) eine Ära: Das Land verkaufte die psychiatrischen Einrichtungen an private Träger. Zu den Betroffenen gehörten auch die beiden südniedersächsischen Landeskrankenhäuser Göttingen und Tiefenbrunn, die seit November 2007 von der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH betrieben werden. Die ersten Erfahrungen des privaten Betreibers nach der Übernahme zeigen vor allem eines: Das Land hat sich wenig um die Kliniken gekümmert - nicht einmal um Brandschutz und Hygienebestimmungen.

Schon bei der ersten Begehung sei klar gewesen, dass großer Handlungsbedarf bestehe und hohe Investitionen nötig seien, sagt der Geschäftsführer der beiden Asklepios Fachkliniken Göttingen und Tiefenbrunn, Jens Betker. Dies liegt nicht zuletzt an der Bausubstanz: So stammen die ältesten Gebäude des früheren LKH Göttingen aus dem Jahr 1866. Wesentliche Modernisierungen gab es vor allem in den 1970er Jahren, doch auch diese Gebäudekomplexe sind inzwischen in die Jahre gekommen.

Nach der Privatisierung bekam die Göttinger Berufsfeuerwehr zum ersten Mal überhaupt die Gelegenheit zur Inspektion der Gebäude. Der Befund war erschreckend: Das Göttinger Krankenhaus, das in früheren Jahren zeitweise über 600 Betten hatte, verfügte weder über Brandschutztüren noch über ein irgendwie geartetes Brandschutzkonzept. Diese Zustände habe man weitgehend beseitigt, sagt Betker. Auch der Küchenbereich musste umgestaltet werden - wegen hygienischer Mängel: "Es gab dort keine Schwarz-Weiß-Trennung, obwohl diese gesetzlich vorgeschrieben ist."

Auch mit anderen Altlasten hat der neue Betreiber zu kämpfen. So stammen die Abwasserrohre zum Teil noch aus dem Jahr 1865. "Im vergangenen Winter hatten wir Wasserrohrbrüche ohne Ende, weil die Rohre damals nicht tief genug verlegt wurden", erzählt der Geschäftsführer. Bei den anstehenden Sanierungsvorhaben und Umbauten gebe es indes noch ein ganz anderes Problem: Alle früheren Baumaßnahmen unter der Trägerschaft des Landes seien ohne Baugenehmigung vorgenommen worden. Dies mache es sehr schwer, die entsprechenden Pläne und Statikberechnungen zu finden, manche Unterlagen fehlten auch völlig. "Es gibt zwar 120 Meter Akten, aber man weiß nicht, wo man suchen muss", sagt Betker.

Auch sonst gab es manche Überraschung. So stellte sich bei der Vermessung des Göttinger Klinikgeländes heraus, dass eine Straße in den Plänen völlig falsch eingezeichnet war. Das Grundstück ist jetzt geteilt, weil das so genannte "Feste Haus", in dem ausschließlich psychisch kranke Straftäter untergebracht sind, von der Privatisierung ausgenommen war. Die hoch gesicherte Einrichtung ist nun eine Außenstelle des Landeskrankenhauses Moringen, das sich weiter in der Trägerschaft des Landes befindet.

Die neue Grenze zwischen den Liegenschaften verlief mitten durch den Minigolfplatz. "Wir haben den Platz dann verlegt", erzählt Betker. Der Fußballplatz, der bis dahin ebenfalls vom Landeskrankenhaus Göttingen genutzt worden war, gehört dagegen nun zum Landeskrankenhaus Moringen - was den im "Festen Haus" untergebrachten Patienten allerdings wenig nützt, da sie den Hochsicherheitstrakt nicht verlassen können.

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