Direkt zum Inhaltsbereich

Still-Syndrom

Konsens-Protokolle für die Therapie

Leitlinien fehlen in der Kinderrheumatologie aufgrund fehlender Evidenz häufig. Daher unternimmt die Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie gerade Anstrengungen, die Therapie durch Konsens-Protokolle zu vereinheitlichen.

Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Als seltenes autoinflammatorisches Syndrom mit frühkindlichem Beginn imponiert die systemische juvenile idiopathische Arthritis (sJIA) bekanntlich durch die klinische Trias aus täglichen Fieberspitzen, Exanthem und Arthritis.

Die sJIA, auch als Still-Syndrom bezeichnet, geht nicht mit Autoimmunphänomenen einher, wie Professor Dirk Föll, Klinik für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie, Universitätsklinikum Münster, beim Rheuma-Kongress in Frankfurt / Main in Erinnerung rief. Der Verlauf sei monozyklisch, polyzyklisch oder persistierend.

Klare Therapieziele

Ziel der Therapie sei zunächst die rasche und anhaltende Linderung des akuten systemischen Entzündungsgeschehens, im Idealfall ohne Glukokortikoide. Das Fieber sollte innerhalb einer Woche abgeklungen, der CRP-Spiegel um mindestens 50 Prozent innerhalb einer Woche zurückgegangen sein. Die Krankheitsaktivität sollte sich bis Woche vier deutlich gebessert haben.

Mittelfristig, das heißt innerhalb von 6-12 Monaten, gehe es darum, einen Zustand der inaktiven Erkrankung nach den Wallace-Kriterien zu erreichen und zu erhalten und die Krankheit dann in eine langfristige Remission zu bringen.

Entzündungsbedingte Spätkomplikationen wie Gelenkdestruktion, Wachstumsstörung und Amyloidose sowie die therapieassoziierte Spätkomplikation Osteoporose gelte es zu verhindern, sagte Föll.

‚sJIA-Gesichter‘ berücksichtigen

Ob diese Ziele nun durch eine standardisierte oder eher individualisierte Therapie besser zu erreichen sind, ist eine der Fragen, denen Föll und andere im Rahmen der PRO-Kind-Initiative der GKJR nachgegangen sind. Hintergrund der Frage ist die Beobachtung, dass die sJIA einen biphasischen Verlauf nimmt.

Während in der akuten febrilen Phase das angeborene Immunsystem regiert, dominiert in der chronischen arthritischen Phase das adaptive Immunsystem. Dies gelte es bei einer zielgerichteten Therapie zu bedenken, betonte Föll.

Initial sei sicher eine standardisierte Diagnostik und Therapie sinnvoll, vor allem um die anfängliche Gefahr der Entwicklung eines Makrophagenaktivierungssysdroms (MAS) abzuwenden, das mit einer signifikanten Mortalität einhergeht.

Im Verlauf sollte die Therapie des Still-Syndroms an den Phänotyp – autoinflammatorische Systemerkrankung versus (Autoimmun)-Arthritis – angepasst werden. In jedem Fall plädierte Föll für eine frühe Behandlung unter Einbeziehung der aktuellen Therapieoptionen.

Dies könne die Prognose deutlich verbessern. Für die Behandlung des kindlichen Morbus Still zugelassen sind NSAR, Methotrexat, Steroide und die Biologika Canakinumab und Tocilizumab. (kat)

Ziele der Therapie

Zunächst sollte die rasche und anhaltende Linderung des akuten systemischen Entzündungsgeschehens angestrebt werden.

Mittelfristig geht es darum, einen Zustand der inaktiven Erkrankung nach den Wallace-Kriterien zu erreichen und zu erhalten und die Krankheit dann in eine langfristige Remission zu bringen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bildgebung

Axiale Spondyloarthritis: NSAR-Pause vor der MRT?

Signifikante Assoziation

Begünstigen Gichtanfälle tachykarde Arrhythmien?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Barrieren abbauen

Menschen mit Behinderung in der Praxis: Kleine Stellschrauben, große Wirkung

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen

Lesetipps
Viren schweben über Kot.

© Shawon / Generated with AI / Stock.adobe.com

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen