Qualitätsmonitor

Kontra Gelegenheitschirurgie – AOK fordert mehr Zentren

Operationsergebnisse in der Onkologie sind auch von der Fallzahl abhängig, legen aktuelle Studienergebnisse nahe. Die Lobby der Krankenhäuser ist skeptisch.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
In spezialisierten Kliniken sterben deutlich weniger Patienten bei Lungenresektionen.

In spezialisierten Kliniken sterben deutlich weniger Patienten bei Lungenresektionen.

© M. Ernert / Attachment

BERLIN. Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Operation im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in den Kliniken, in denen die Eingriffe häufiger vorgenommen werden. Das geht aus dem vom Wissenschaftlichen Dienst der AOK (WIdO), Gesundheitsstadt Berlin und der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) herausgegebenen "Qualitätsmonitor 2018" hervor.

Für die These gibt es zunehmende Evidenz. Würden Operationen von Lungenkrebs, Darmkrebs, Blasenkrebs, Speiseröhrenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zentren mit ausreichender Fallzahl gebündelt, würden rechnerisch knapp 600 Menschen im Jahr weniger sterben, hat eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin für den AOK-Monitor ergeben.

Um die ausreichende Fallzahl zu ermitteln, wurden die Ergebnisse aller untersuchten Kliniken in ein Verhältnis gesetzt. Auch Häuser mit geringen Fallzahlen waren eingeschlossen.

Halbierte Überlebenschancen

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Ein Beispiel: Von den gut 12.000 Lungenkrebspatienten im Jahr, denen ein Teil der Lunge entfernt werden soll, wird ein Fünftel in den 26o Kliniken mit den geringsten Fallzahlen, nämlich im Schnitt nicht mehr als fünf pro Jahr, operiert.

In diesen Häusern halbiere sich die Überlebenschance. Über alle gesehen, sei die Überlebenschance in Häusern mit mehr als 75 Lungenresektionen im Jahr um 39 Prozent besser als in den übrigen, sagte Professor Thomas Mansky von der TU. Ab 75 Resektionen kann sich eine Klinik als Zentrum zertifizieren lassen.

Er verwies auf große regionale Unterschiede in der Verteilung von Krankenhäusern, die die für eine Zertifizierung als Zentrum nötige Mindestmenge erreichten.

Die Krankenhausgesellschaft reagierte umgehend. Eine einfache Kausalität – vom operierenden Krankenhaus zum späteren Todesfall – aus der Interpretation von Abrechnungsdaten ableiten zu wollen und damit den Eindruck vermeidbarer Todesfälle in den Raum zu stellen, sei schlichtweg unseriös, sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

In manchen Häusern werden laut AOK-Untersuchung selbst hochkomplexe Eingriffe nur weniger als fünfmal im Jahr vorgenommen. "Diese Form von Gelegenheitschirurgie ist nicht das, was eine Kasse akzeptieren kann", kommentierte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, das Ergebnis bei der Vorstellung des Monitors am Donnerstag in Berlin. Er forderte einen konsequenten Umbau der Krankenhauslandschaft in hochspezialisierte Zentren.

Eine Milliarde laut KHSG

Der Gesetzgeber solle dafür 75 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 bereitstellen. Im Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist dafür bislang eine Milliarde Euro vorgesehen.

Litsch kündigte an, die Forderung nach neuen Mindestmengen zum Beispiel für Lungenkrebs und die Erhöhung bestehender in den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) einzubringen. Mindestmengen seien ein auch von den Kliniken längst anerkanntes Instrument der Qualitätssicherung, sagte Baum. Grundsätzlich verweigerten sich die Krankenhäuser diesen Instrumenten nicht.

"Freiwilligkeit geht schneller als Regulation" gab Professor Ralf Kuhlen von der Initiative Qualitätsmedizin zu bedenken. Patienten sollten Informationen über die Ergebnisqualität der Kliniken bekommen, in das sie ihr Arzt einweist.Die im Monitor abgebildeten Daten müssten von den Planungsbehörden zügig zur Kenntnis genommen werden, sagte Ex-Gesundheitssenator Ulf Fink, Vorsitzender von Gesundheitsstadt Berlin.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Op-Mindestmengen: Qualität mit Konsequenz

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Lesetipps
Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft