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Arztkontakte

Krebs ohne Einfluss auf chronische Erkrankungen

Einige Jahre nach der Diagnose steigt bei Krebspatienten der Bedarf an ärztlicher Betreuung, weil häufig chronische Krankheiten hinzukommen. Ob diese Patienten deshalb häufiger den Hausarzt aufsuchen als Chroniker ohne Krebs, haben niederländische Forscher jetzt untersucht.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Diabetiker gehen oft zum Arzt, unabhängig davon, ob sie zusätzlich an Krebs erkrankt sind oder nicht.

Diabetiker gehen oft zum Arzt, unabhängig davon, ob sie zusätzlich an Krebs erkrankt sind oder nicht.

© Gina Sanders / fotolia.com

UTRECHT. Die meisten Krebspatienten entwickeln im Alter neben ihrer Tumorerkrankung eine oder mehrere weitere chronische Krankheiten.

Ob sie deshalb häufiger ihren Hausarzt aufsuchen als Chroniker ohne Krebserkrankung und ob sich dies mit den Jahren und der Zahl der chronischen Leiden verändert, hat Marianne Heins vom Netherlands Institute for Health Services Research (NIVEL) zusammen mit Kollegen der Universität Amsterdam untersucht (Cancer Epidem. 2015; 39(1): 109-114).

Grundlage der Studie waren Daten der NIVEL-Datenbank von Hausarztpatienten, bei denen zwischen 2002 und 2010 im Alter von mindestens 55 Jahren eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war. Bei 1507 bestand keine weitere chronische Erkrankung.

Krebspatienten öfter beim Arzt

629 Patienten litten zusätzlich an Diabetes, 425 an Arthrose, 466 an einer KHK und 383 an einer COPD. Jedem dieser Patienten wurden zwei entsprechende Kontrollpatienten mit gleicher Krankheit, aber ohne Krebserkrankung zugeordnet.

Zwei bis fünf Jahre nach der Krebsdiagnose stieg die Zahl der Arztkontakte, unabhängig davon, ob weitere chronische Krankheiten bestanden oder nicht. Krebspatienten ohne Komorbiditäten suchten ihren Hausarzt durchschnittlich 6,4-mal jährlich auf.

Krebspatienten mit COPD hatten jährlich 12,3, mit Diabetes 11,9, mit KHK 11,2 und mit Arthrose 10,1 Arztkontakte.

Ein ähnliches Verhältnis zeigte sich auch beim Vergleich gesunder Kontrollprobanden mit chronisch Kranken ohne Krebs (4,0 vs. 9,7 bzw. 10,0 bzw. 8,4 bzw. 8,7).

Insgesamt suchten Krebspatienten ihren Hausarzt also zwar signifikant häufiger auf als tumorfreie Patienten mit den gleichen chronischen Leiden, der Grund hierfür war aber offensichtlich nicht die chronische Erkrankung.

Diabetiker mit den meisten Arztkontakten

Die meisten Arztkontakte speziell wegen ihres chronischen Leidens hatten Diabetiker, und zwar unabhängig davon, ob sie zusätzlich an Krebs erkrankt waren oder nicht (Krebspatienten 2,7-mal/Jahr; Nicht-Krebspatienten 2,9-mal/Jahr).

In allen vier Gruppen wurden Tumorpatienten nicht häufiger wegen ihres chronischen Leidens behandelt als Nicht-Tumorpatienten. Und auch mit fortschreitendem Alter und steigender Anzahl chronischer Erkrankungen verlief der Anstieg bei der Häufigkeit jährlicher Arztbesuche in beiden Gruppen ähnlich.

Wegen der bei Tumorpatienten häufig bestehenden Begleiterkrankungen ist die Behandlung komplex. Heins und Kollegen halten deshalb eine interdisziplinäre Betreuung durch Hausärzte und Spezialisten im Sinne einer Krebsnachsorge für zwei bis fünf Jahre für hilfreich.

Mit solchen speziellen Chronikerprogrammen könne den besonderen Bedürfnissen von Krebspatienten Rechnung getragen werden.

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