Laktulose und Antibiotika gegen Fahrfehler

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Schon im Zirrhose-Frühstadium kann die Fahrtüchtigkeit gemindert sein. "Wir müssen den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren", sagt Professor Joachim Mössner.

WIESBADEN (eb). Viele Patienten mit Leberzirrhose entwickeln eine hepatische Enzephalopathie. Sie beginnt meist schleichend. Anfangs ist die Konzentration gestört, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit lassen nach.

Oft ist auch die Feinmotorik gestört; dies zeigt sich am starken Zittern der Hände. Bereits im Frühstadium sei bei vielen Patienten auch die Fahrtüchtigkeit herabgesetzt, erinnert Professor Dieter Häussinger von der Universität Düsseldorf.

"Unsere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit hepatischer Enzephalopathie häufiger Fahrfehler begehen als andere, jedoch kann im Einzelfall die Fahrtauglichkeit trotzdem erhalten sein", wird Häussinger in einer Mitteilung der DGIM vorab zum Internistenkongress zitiert.

DGIM 2012

Neueste Erkenntnisse aus der Hepatologie sind ein Thema des 118. Internistenkongresses , der vom 14. bis 17. April 2012 stattfindet.

Veranstaltungstipp: Montag, 16. April, 16.00 bis 17.30 Uhr, Halle 4, "Leberzirrhose und ihre Komplikationen": eines der Themen: Enzephalopathie; D. Häussinger (Düsseldorf); www.dgim2012.de

Häussinger wird im Rahmen des Internistenkongresses die von ihm geleiteten Sonderforschungsbereiche 575 "Experimentelle Hepatologie" und 974 "Leberschädigung und Regeneration " sowie die Klinische Forschergruppe 217 "Hepatobiliärer Transport" vorstellen.

Für den Experten steht fest, dass die hepatische Enzephalopathie für viele Verkehrsunfälle verantwortlich ist, auch wenn die Erkrankung in den Unfallstatistiken praktisch nicht auftaucht: "Exakte Zahlen über Verkehrsunfälle von Leberkranken gibt es in Deutschland nicht."

Zwar machen Leitlinien für Erkrankungen wie Diabetes oder Epilepsie klare Vorgaben zur Teilnahme am Straßenverkehr. Leberzirrhosepatienten sind nach derzeitiger Gesetzeslage nur bei "Dekompensation mit Bauchwasserbildung" fahruntüchtig.

"Als Ärzte müssen wir dieses Problem wahrnehmen und den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren", sagt DGIM-Präsident Professor Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig.

Oft sehen Patienten dies jedoch nicht ein. Auch dies könnte Folge der schleichenden Hirnvergiftung sein, die häufig mit einer Wesensveränderung einhergeht.

"Wir raten Patienten dringend, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln. Eine effektive Therapie ist heute durch Laktulose und Antibiotika möglich", so Mössner.

Laktulose begünstigt das Wachstum von Darmbakterien, die Milchsäure statt Ammoniak produzieren. Laktulose beschleunigt zudem die Darmpassage und führt zu einer osmotischen Diarrhoe. Dadurch bessere sich der Schweregrad der Enzephalopathie.

Bei akutem Eiweißanfall im Darm, etwa durch Blutungen, helfen auch Laktuloseeinläufe. "Diese wirken wahrscheinlich eher über das Hervorrufen der Diarrhoe als über Stimulation der Laktobazillen", wird Mössner zitiert. Ein Antibiotikum tötet schließlich die schädlichen Darmbakterien gezielt ab.

Beide Mittel gelangen nicht vom Darm ins Blut. "Die Therapie kann ohne größere Risiken über längere Zeit fortgesetzt werden", erinnert Mössner. Eine frühe Therapie sei vor allem deshalb wichtig, weil die Hirnschäden oft nicht umkehrbar sind - und auch die Fahrtauglichkeit gehe dauerhaft verloren.

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