Direkt zum Inhaltsbereich

Laptop auf dem Schoß - mit Nebenwirkungen

Ein Laptop gehört entgegen dem Namen nicht wie ein Lapdog auf den Schoß. Wer diesen Rat über längere Zeit missachtet, riskiert durch die Überwärmung der Mikroprozessoren einen Gewebeschaden, ein Erythema ab igne.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Erythema ab igne durch einen Laptop: Typisch ist die netzartige Hautzeichnung auf den Oberschenkeln. © Claude Bachmeyer/Service de Médecine Interne, CHU Tenon, Paris

Erythema ab igne durch einen Laptop: Typisch ist die netzartige Hautzeichnung auf den Oberschenkeln. © Claude Bachmeyer/Service de Médecine Interne, CHU Tenon, Paris

© Claude Bachmeyer/Service de Médecine Interne, CHU Tenon, Paris

PARIS. In dem Maße, wie die handlichen Computer immer mehr in Gebrauch kommen, müssen Ärzte damit rechnen, von Patienten mit einem netzartigen rotbraunen Ausschlag auf den Oberschenkeln konsultiert zu werden, schreibt Dr. Claude Bachmeyer in einem "Letter to the Editor" (J Eur Acad Dermatol Venerol 23, 2009, 736).

Auf diese neue Ursache eines Erythema ab igne (EAI, ignis lat. Feuer) wurde der Internist aus Paris durch einen 27-jährigen Mann aufmerksam, der sich mit einer solchen "schmutzig" wirkenden, nicht schmerzhaften Hautzeichnung auf den Oberschenkeln vorstellte. Er berichtete, die Läsionen seien entstanden, nachdem er sich einen Laptop gekauft und täglich mehrere Stunden damit auf dem Schoß gearbeitet habe. Die Hautrötung sei anfangs vorübergehend gewesen, dann aber geblieben - inzwischen seit Monaten.

Weil die klinische Diagnose eines EAI offensichtlich war, veranlassten die Ärzte keine Labortests und empfahlen dem Patienten lediglich, den Laptop stets auf einem Tisch zu platzieren. Daraufhin gingen die Symptome innerhalb von drei Monaten vollständig zurück.

Wie Bachmeyer erläutert, entsteht ein EAI, wenn Körperareale längere Zeit einer Hitze (Infrarotstrahlung) ausgesetzt sind, die mit 43° bis 47° C noch so mild ist, dass sie keine Verbrennungen verursacht. Bekannte Manifestationsstellen sind Schienbeine und Knie durch zu nahes Sitzen an Kaminfeuer oder Ofen, ferner Rücken und Bauch durch Auflegen von Heizkissen oder Wärmflasche sowie - als Berufskrankheit - Gesicht und Arme von Köchen oder Bäckern. Anfangs noch verschwinden die "fire stains" oder "toasted skin syndromes" jedesmal wieder, im Lauf der Zeit jedoch wird die Pigmentierung stärker und beständiger, das Gewebe ähnlich wie bei sonnengeschädigter Haut durch Abbau von elastischen Fasern atrophisch.

Meist geht ein EAI nicht mit Schmerzen einher, nur wenige Patienten berichten von Brennen oder Stechen. Die Behandlung besteht in konsequentem Meiden der Wärmequelle, die Prognose ist im allgemeinen gut. Allerdings können sich nach langer Exposition, wenn auch selten, Plattenepithel- und Merkelzellkarzinome bilden, bei Männern Spermatogenese und Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein.

Bisher gibt es nach Angaben Bachmeyers Berichte über fünf Patienten mit EAI durch Laptops. Doch könne die Zahl zunehmen, da die Mikroprozessoren der Geräte immer leistungsfähiger werden und Temperaturen bis 50° C erzeugen. Eine feste Unterlage komme auch den Computern zugute, weil sie sich dort weniger aufheizen als nah am Körper.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Digitale Praxis

KI-Helfer für die Praxis entwickelt Hausarzt Rasche selbst

Tipps für den Strandbesuch

Nicht mit Kontaktlinsen zum Schwimmen!

Lesetipps