Kardiovaskuläres Risiko

Lebensstil zählt mehr als Gene

Das genetisch bedingte KHK-Risiko ist keine schicksalhafte Größe. Der Lebensstil bietet hier ein Korrektiv.

Veröffentlicht: 07.02.2017, 17:03 Uhr

BOSTON. Ein gesunder Lebensstil trägt dazu bei, das KHK-Risiko von Personen mit einem hohen genetischen Risiko für Koronarereignisse deutlich zu senken. Wer "gute" Gene hat, sollte sich jedoch besser nicht allein darauf verlassen. Die Folgen einer ungesunden Lebensweise werden nämlich durch eine günstige genetische Disposition nicht wettgemacht, wie Forscher um Dr. Sekar Kathiresan aus Boston berichten (NEJM 2016, 375: 2349).

Die Gruppe hat einen von ihr eigens entwickelten "polygenen Score", der 50 genetische DNA-Polymorphismen kombiniert, dafür genutzt, das genetisch bedingte Koronarrisiko von insgesamt mehr als 55.000 Teilnehmern aus fünf Kohortenstudien zu quantifizieren. Das Praktizieren eines gesunden Lebensstils wurde bei ihnen an vier Faktoren festgemacht: Nicht rauchen, kein Übergewicht, körperlich aktiv sein und gesunde Ernährung.

Risiko halb so groß bei gesundem Leben

Erwartungsgemäß war eine hohe genetische "Belastung" für eine KHK-Entwicklung in Relation zu einer gering ausgeprägten genetischen Disposition mit einem nahezu doppelt so hohen Risiko assoziiert, in den nächsten zehn Jahren von einem koronaren Ereignis betroffen zu sein (Hazard Ratio, HR: 1,91).

Doch konnten Menschen mit genetisch hohem KHK-Risiko dieses um fast die Hälfte verringern, wenn sie gesund lebten, und zwar im Vergleich zu Personen mit gleichem genetischen Risiko, die weniger oder gar keinen Wert auf eine gesunde Lebensweise legten (HR: 0,54).

Ein niedriges genetisches KHK-Risiko war andererseits kein Garant dafür, von KHK verschont zu werden. Denn ein ungesunder Lebensstil hob den genetischen Vorteil partiell wieder auf: Das relative Risiko für Koronarereignisse stieg um 82  Prozent im Vergleich zum Risiko von Personen, die gesundheitsbewusst lebten. (ob)

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