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Lupus-Präventions-Pass soll zum Herzschutz beitragen

Entzündliches Rheuma schädigt die Gefäße. So haben Patienten mit systemischem Lupus erythematodes ein 30- bis 50-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko. Ein Lupus-Pass soll Abhilfe bringen.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Vorderseite des Lupus-Präventions-Passes.

Vorderseite des Lupus-Präventions-Passes.

© Lupus Erythematodes SHG

DÜSSELDORF. Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben eine verfrühte Atherosklerose. Im Langzeitverlauf der Erkrankungen sterben die Patienten nicht am Rheuma selbst, sondern an kardiovaskulären Komorbiditäten.

Das gilt besonders beim systemischen Lupus erythematodes (SLE). "Junge Frauen mit dieser zu den Kollagenosen zählenden Autoimmunerkrankung haben ein 30- bis 50-fach höheres Myokardinfarkt-Risiko als Gleichaltrige ohne SLE", sagte Dr. Rebecca Fischer-Betz vom Uniklinikum Düsseldorf im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Entzündliches Rheuma schädigt auch das Epithel

Der Grund ist noch unklar. Zum einen könne die Erkrankung selbst über entzündliche Mechanismen schädigend auf das Gefäßepithel wirken. Zum anderen hätten die Patienten mehr klassische Risikofaktoren wie Hypertonie, Hypercholesterinämie - oder durch Nierenbeteiligung eine sekundäre Hypertonie.

"In Langzeitstudien lässt sich das nicht trennen", so die Rheumatologin. "Der Lupus ist zudem auch für sich genommen ein Risikofaktor. Er erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um das 7-Fache."

Hier setzt der Lupus-Präventions-Pass an. Er richtet sich direkt an SLE-Patienten. Der Pass verdeutlicht: Welche Risikofaktoren sind vorhanden, welche können beeinflusst werden und welche Ziele setzt sich der Patient, das Risikoprofil zu verbessern?

"Auch für den Arzt ist der Lupus-Pass zumindest indirekt gedacht", ergänzte Fischer-Betz. "Man sagt ja nicht jedem Menschen, der vor einem sitzt und der übergewichtig ist, aber ein anderes Problem hat, dass er auch noch 20 Kilo zuviel hat und daher abspecken sollte." Auch dem Arzt - Hausarzt oder Rheumatologe - werden so die Risikofaktoren noch einmal verdeutlicht.

"Den Lupus-Pass gibt es in Papierform oder in einer Online-Version" so Dr. Jutta Richter, ebenfalls Rheumatologin an der Uni Düsseldorf. Sieben Punkte sind darin in Form einer Ampel enthalten, darunter Rauchen, Übergewicht, Cholesterin, Blutdruck oder Bewegung.

Im Verlauf wird dann sichtbar, ob mehr Ampeln auf "grün" stehen oder nicht. Der Pass wurde an knapp 3000 Mitglieder der Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e.V. als Beilage der Mitgliederzeitschrift verteilt.

"Die Mitglieder wurden dann zu Schulungen eingeladen, die in rund zehn Städten stattgefunden haben." In Düsseldorf nahmen rund 25 Patienten an einer solchen Schulung teil.

Für eine komplette Auswertung sei es noch zu früh. Das vom Bundesgesundheitsministerium unterstützte Projekt ist langfristig angelegt. Eine erste Auswertung wurde beim Deutschen Rheumakongress in Hamburg vorgestellt. Von rund 780 Patienten nutzten mehr als die Hälfte den Lupus-Pass auch noch nach einem halben Jahr.

"Im Bereich der Komorbiditäten Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte hat es unerwartet hohe Zuwachsraten gegeben", so Richter zur "Ärzte Zeitung". Die Rheumatologin interpretiert dies folgendermaßen: Die Patienten hätten entsprechende Untersuchungen vornehmen lassen, der daraus resultierende Erkenntnisgewinn sei in den Lupus-Pass eingeflossen.

"Der Pass hat Bewegung in das Thema Prävention bei Lupus-Patienten gebracht", fasst Richter zusammen. Und: "Jeder dritte wurde zu einer Änderung der Lebensgewohnheiten angeregt."

Pass soll helfen, individuelle Ziele zu vereinbaren

Ziel des Lupus-Präventions-Passes ist es letztlich, die Patienten dazu zu bringen, selbst einen wesentlichen Beitrag zu leisten, um Langzeitschäden zu vermeiden. Patienten sollen gezielt und nachhaltig aufgeklärt werden.

Gemeinsam mit dem Arzt sollen individuelle Ziele vereinbart und so die Risikofaktoren für die beschleunigte Atherosklerose reduziert werden.

www.lupus.rheumanet.org

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