Ärzte und Patienten

Mehr Vernetzung in Diabetesversorgung erwünscht

Lange Fahrtwege zum Spezialisten, zu wenig Zeit fürs Patientengespräch und Kliniken, die die Nebendiagnose Diabetes nicht mit behandeln: In der Diabetesversorgung läuft vieles nicht rund. Eine bessere Vernetzung der Versorgungspartner könnte dies ändern – meinen Ärzte und Patienten.

Von Sven Eichstädt Veröffentlicht: 18.03.2020, 10:10 Uhr
Mehr Vernetzung in Diabetesversorgung erwünscht

Diabetespatienten wünschen sich einen Ansprechpartner, der die Versorgung koordiniert.

© Benjamin Ulmer / dpa / picture alliance

Leipzig. Wie lässt sich die Versorgung bei Diabetes verbessern? Eine der Hauptschwierigkeiten für Patienten sind nach wie vor lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten und große Entfernungen zu deren Praxen.

Das wurde bei der Tagung zu „innovativen Versorgungsstrukturen für Menschen mit Diabetes“ in Leipzig deutlich, die vom Deutschen Hausärzteverband und der Deutschen Diabetes Gesellschaft veranstaltet wurde. „Lange Wartezeiten bei Fachärzten“ seien ein „Riesenproblem“, sagte Thorsten Zöfeld, Leiter der Regionaldirektion Chemnitz der Knappschaft Bahn See.

Dies bestätigte auch Petra Baier vom Diabetikerbund Sachsen, der die Sicht der Patienten vertritt: „Ein sehr großer Wunsch von unseren Mitgliedern ist, dass die Versorgung für Diabetiker im ländlichen Raum besser wird.“ Laut Baier seien die Patienten in der Regel dazu bereit, bis zu zwei Stunden Fahrzeit zum Facharzt zu akzeptieren.

Warum wohnortnahe Schulungen wichtig sind

Dabei ist mehr Nähe zum Spezialisten noch aus einem anderen Grund wichtig: Die Erkrankung erfordert von den Patienten, alltägliche Gewohnheiten zu ändern. Zwar gab Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands und Inhaberin einer Praxis für Allgemeinmedizin in Bad Oeynhausen zu bedenken, dass zu wenig Patienten ihren Lebensstil ändern wollten.

Vor allem bei älteren Patienten sei die Bereitschaft zu einer Verhaltensänderung gering, berichtete sie. Andererseits brauchen sie auch einen guten Zugang zu Schulungen: Diese sollten „wohnortnah“ sein, sagte Baier. „Wenn ein 70 Jahre alter Diabetiker 30 Kilometer zur Schulung fahren soll, ist das schlecht.“ Baier schloss einen wichtigen Punkt aus Patientensicht an: „Patienten wünschen sich, ernst genommen zu werden und dies braucht Zeit zum Reden in der Praxis.“

„Patienten mit Diabetes haben Redebedarf, nur leider wird die sprechende Medizin für gesetzlich Versicherte nicht entsprechend vergütet“, meinte Nicole Mattig-Fabian, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Hilfe. Sie stützte ihre Aussage auf eine Umfrage ihres Verbands von 2019 unter 1500 Diabetikern.

Die Umfrage habe außerdem ergeben, dass es für Patienten wichtig sei, dass weniger Doppeluntersuchungen und weniger Mehrfachmedikationen aufträten. „Wir als Patienten wünschen uns, dass sich Hausärzte, Fachärzte und Kliniken besser vernetzen“, sagte dazu Baier.

Kliniken für Diabetesversorgung zertifizieren

Eine Forderung, die Mediziner unterstützen: Professor Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital in Stuttgart, kritisierte, dass Patienten mit Diabetes in vielen Kliniken „vollkommen auf sich allein“ gestellt seien: „Es wird sich nicht um Diabetes gekümmert.“ Deshalb kämpfe die DDG dafür, dass Krankenhäuser für die Behandlung von Diabetikern zertifiziert würden.

Baier wiederum setzt sich unter anderem dafür ein, dass Ärzte auf Selbsthilfegruppen für Diabetiker hinweisen. „Viele Hausärzte weigern sich, Informationen zu Selbsthilfegruppen an Patienten weiterzugeben.“

Kassen sollten Infos bündeln

Professor Markus Bleckwenn, seit Jahresbeginn Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und niedergelassener Allgemeinmediziner in Linz am Rhein, sagte, ihm als Allgemeinmediziner seien Selbsthilfegruppen für Diabetiker „bisher gar nicht in den Sinn“ gekommen.

„Ich wünsche mir als Arzt, dass ich von den Krankenkassen mehr Informationen dazu erhalte, welche Angebote es für Diabetiker gibt“, fügte Bleckwenn an. Dazu zählten auch Selbsthilfegruppen. „Ich muss als Arzt die Angebote mit einem Klick verfügbar haben und nicht erst lange danach suchen müssen.“

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