Direkt zum Inhaltsbereich

CT bei Bauchweh

Mehr als reine Diagnostik?

Bauchschmerzpatienten, die in der Notaufnahme eine CT erhalten haben, tauchen danach seltener wieder in der Klinik auf. US-Mediziner vermuten, dass die Zusatzuntersuchung einen beruhigenden Effekt sowohl auf die Patienten als auch auf deren behandelnde Ärzte hat.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Vor der CT: Ein negativer Befund beruhigt die Patienten. Wiedervorstellungen wegen ähnlicher Beschwerden sind dann seltener.

Vor der CT: Ein negativer Befund beruhigt die Patienten. Wiedervorstellungen wegen ähnlicher Beschwerden sind dann seltener.

© Tyler Olson / fotolia.com

MADISON, WISCONSIN. Dass ein kostspieliges und durch Röntgenstrahlung belastetes Untersuchungsverfahren wie die Computertomografie (CT) nicht aus dem alleinigen Grund eingesetzt werden sollte, Patienten oder deren Behandler zu beruhigen, versteht sich von selbst.

Daten aus der Notaufnahme einer großen US-Klinik haben jedoch Hinweise geliefert, dass genau dieser Grund bei vielen abdominellem Notfällen von Bedeutung zu sein scheint.

Wie das Team um Dr. Brian W. Patterson, Notfallmediziner an der University of Wisconsin, berichtet, war die Bildgebung mittels CT bei Patienten, die sich mit akuten Schmerzen im Bauchraum in der Notaufnahme einer großen Chicagoer Klinik vorgestellt hatten, mit einer deutlich geringeren Rate an Wiedervorstellungen innerhalb eines Monats verknüpft (Odds Ratio, OR = 0,69; 95% Konfidenzintervall 0,55-0,87) (Acad Emerg Med 2015; 22: 803-10).

Mehrere Faktoren korrelierten

In die retrospektive Studie eingeschlossen waren 3928 erwachsene Notfallpatienten mit dem Kardinalsymptom "abdominelle Schmerzen", die man nach der Untersuchung wieder nach Hause geschickt hatte.

Bei 42,3 Prozent von ihnen war eine CT zum Einsatz gekommen. Nachbeobachtet wurden die Patienten einen Monat lang. In diesem Zeitraum tauchten 487 (12,4 Prozent) zum zweiten Mal in derselben Notaufnahme auf. Von diesen mussten 40 Prozent stationär aufgenommen werden; Todesfälle gab es in der Studie keine.

Nach Angaben von Patterson und seinen Kollegen korrelierten mehrere Faktoren zum Zeitpunkt der Erstaufnahme signifikant mit der Wahrscheinlichkeit einer Wiedervorstellung: Neben der CT-Untersuchung waren dies männliches Geschlecht (OR = 1,34) und höheres Alter (OR = 1,01), höhere Schmerz-Scores (OR = 1,13), erhöhte Herzfrequenz (OR = 1,42), Anämie (OR = 1,42) und niedrige Natriumwerte (OR = 1,56).

Nach Herausrechnen falsch-positiver Befunde blieben davon nur die CT-Untersuchung negativ und die Schmerzstärke bei Erstaufnahme positiv mit einem erneuten Besuch assoziiert.

Weder Blutwerte (Leukozyten) noch Blutdruck oder Körpertemperatur ließen dagegen irgendeinen Zusammenhang mit der Wiedervorstellung erkennen.

Keinesfalls eine Aufforderung zu mehr CTs!

Es sei durchaus möglich, dass die CT in manchen Fällen zu einer verbesserten Versorgung beitrage, so die Forscher.

Für die Patienten könne sie bei negativem Befund eine Absicherung sein, dass kein lebensbedrohliches Krankheitsbild vorliege, für niedergelassene Ärzte ein Argument gegen eine erneute notfallmäßige Zuweisung.

Dennoch wollen Patterson und sein Team die Ergebnisse keinesfalls als Aufforderung für einen verstärkten Einsatz der CT-Bildgebung verstanden wissen.

Unnötige CTs zu vermeiden sei ein wichtiges Ziel, betonen die Notfallmediziner, allein schon aufgrund der Strahlenbelastung und der Notwendigkeit der Kontrastmittelapplikation.

In zukünftigen Studien müsse man sich gezielt mit der Frage auseinandersetzen, warum Patienten nach Entlassung aus der Notaufnahme erneut Hilfe beanspruchen und inwieweit die CT-Untersuchung dabei eine Rolle spielt, fordern die Experten.

Ob es sich hierbei um einen echten Zusammenhang handelt oder die CT nur einen Marker für eine "schwere Erkrankung" darstellt, die zur Folge hat, dass Patienten entweder gleich einbehalten oder ambulant weiter abgeklärt werden - in jedem Fall aber sich nicht selbst überlassen bleiben -, lässt sich auf der Grundlage der retrospektiv erhobenen Daten nicht klären.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Häufige Komorbidität

Woher kommt die Fettleber bei Akne inversa?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Dr. Henning Fischer 13.08.201517:09 Uhr

das therapeutische EKG


ist ebenfalls sehr wirksam (und billig = null Punkte)

und in der universitären Medizin weitgehend unbekannt

Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt

Global-Burden-of-Disease-Erhebung

Weltweit immer mehr Fälle von Anorexie und Bulimie

Lesetipps
Ein Kind erhält eine Spritze und schaut ängstlich weg.

© yanadjan / stock.adobe.com

Vom Schmerzgel bis zum Wiegenlied

Zehn Strategien gegen Impfstress

Die Rückseite eines jungen Mannes mit großflächigen Tätowierungen.

© PeopleImages / Getty Images / iS

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Nahaufnahme des rechten Handegelenks eines Patienten das mit einer Handgelenksschiene ruhig gestellt ist.

© Ondrej Novotny / stock.adobe.com

Therapie der ersten Wahl

Was bringt eine Handgelenksschiene beim Karpaltunnelsyndrom?