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Hintergrund

Metabolisches Syndrom: Neue Großbaustelle der Krebsprävention?

Metabolisches Syndrom und Hautkrebs - das sind jetzt die vorrangigen Ziele der internationalen Krebsprävention. Im Fokus des heutigen Weltkrebstages: Die noch neue Erkenntnis, dass Diabetes ein Krebsrisiko ist.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Krebsforscher schätzen, dass konsequente Prävention jede zweite bis dritte Krebserkrankung verhindern könnte. Außer Sonne und Zigarettenrauch macht Experten vor allem das metabolische Syndrom Sorge.

Wer den Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, Professor Otmar Wiestler, nach Möglichkeiten der Krebsprävention fragt, den konfrontiert der Krebsexperte mit einem ganzen Reigen an Maßnahmen, die definitiv oder zumindest sehr wahrscheinlich das individuelle Risiko, an Krebs zu erkranken, senken.

Wiestler: "Ein vollständiger Verzicht auf Zigaretten dürfte alleine etwa jede dritte Krebserkrankung verhindern. Sonnenschutz, Virusprophylaxe, vernünftige Ernährung und körperliche Bewegung sind ebenfalls protektiv."

Bis zu 40 Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen hält der Krebsforscher für prinzipiell vermeidbar.

Was Wiestler aus Anlass des heutigen Weltkrebstags besonders am Herzen liegt, ist ein vergleichsweise neuer Risikofaktor, der erst in einigen Jahren auf die Krebsstatistik durchschlagen dürfte, nämlich das metabolische Syndrom.

Menschen mit metabolischem Syndrom erkranken häufiger an einer ganzen Reihe von Tumorerkrankungen. "Das Risiko für Brustkrebs beispielsweise ist markant höher.

Auch Krebserkrankungen des Gastrointestinaltrakts treten vermehrt auf. Weil das metabolische Syndrom häufiger wird, gehen wir davon aus, dass die Rate der Tumorerkrankungen in diesem Zusammenhang in Zukunft deutlich steigt."

Klar ist, dass es hier noch einen erheblichen Forschungsbedarf gibt: "Wir verstehen bisher noch zu wenig über die molekularen Mechanismen, die beim metabolischen Syndrom zur Tumorentstehung führen", so Wiestler.

Umgekehrt sind auch jene Mechanismen, über die beispielsweise körperliche Bewegung oder eine gesunde Ernährung krebsprotektiv wirken, noch weitgehend unverstanden. Denkbar sei beispielsweise, dass ein pathologischer Insulinstoffwechsel das Zellwachstum ungünstig beeinflusse.

Auch die beim metabolischen Syndrom nachgewiesenen chronisch-entzündlichen Prozesse könnten bei der Krebsentstehung von Bedeutung sein, sei es auf dem Umweg über Sauerstoffradikale oder auf anderen Wegen.

"Das ist alles noch relativ allgemein. Hier eröffnen sich für die Zukunft große Forschungsgebiete", sagte Wiestler der "Ärzte Zeitung".

Was die konkrete Umsetzung von Präventionsmaßnahmen in Deutschland angeht, zieht Wiestler eine gemischte Bilanz. Es sei deutlich spürbar, dass die Politik das Thema mittlerweile ernster nehme.

Aber an vielen Stellen - allen voran beim Nichtraucherschutz - wünsche er sich doch mehr Konsequenz und vor allem eine bundesweit einheitliche Regelung.

Fortschritte gegeben hat es in den vergangenen Jahren bei der Prävention von Hautkrebs. "Bei dem vor zwei Jahren eingeführten Hautkrebs-Screening laufen derzeit die ersten Auswertungen.

Da können wir im Moment noch keine Zahlen nennen", betont Dr. Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Parallel zum Screening wurden aber vor allem auf der Ebene der Kindergärten ganz konkrete Präventionsprojekte umgesetzt, die jetzt Früchte tragen.

Ein Beispiel: Hautkrebsexperten haben im Rahmen des "SunPass"-Projekts mittlerweile fast 60 Kindergärten in Deutschland in Sachen Sonnenschutz zertifiziert: "Das geht von der Fortbildung der Erzieher über die Errichtung von Schattenplätzen bis hin zu Informationsveranstaltungen für die Eltern", so Hassel.

Auch das Verbot des Solarienbesuchs für unter 18-Jährige verbucht die Expertin als Erfolg der Präventionsbemühungen.

Die derzeitigen Diskussionen um eine weitere Regulierung der Solarien inklusive Einführung verpflichtender Dosierungspläne und maximaler Bestrahlungsstärken sieht sie allerdings skeptisch: "Solarien sind dann immer noch schädlich. Ich sehe eher die Gefahr, dass eine falsche Sicherheit suggeriert wird."

Plakative Aufkleber ähnlich denen aus den Zigarettenkampagnen, die darauf hinweisen, dass UV-Licht Krebs und Falten verursacht, hält sie dagegen für sinnvoller.

Im Jahr 2010 sind in Deutschland etwa 16.230 Menschen neu einem Melanom erkrankt, schätzen die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister und das Robert-Koch-Institut. 2006 waren es noch 15.830 neu am Melanom Erkrankte.

Lesen Sie dazu auch: Weltkrebstag: Onkologen nehmen Übergewicht ins Visier

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