Direkt zum Inhaltsbereich

Mit Magneten und Fischöl gegen Psychosen

Mit Magneten, Elektroimpulsen und Fischöl erzielt man erstaunliche Erfolge bei Psychosen.

Veröffentlicht:

BERLIN (gvg). Dank moderner bildgebender Verfahren lassen sich die Effekte von Therapien auf die Hirnstruktur heute sehr viel besser beurteilen als noch vor einigen Jahren. So konnten Neuropsychiater aus Göttingen zeigen, dass regelmäßiger Sport bei Schizophreniepatienten nicht nur die Negativsymptome wie Gefühlsarmut, Antriebslosigkeit und Desinteresse lindert, sondern auch das Volumen des Hippocampus vergrößert (wir berichteten). Die These ist, dass die körperliche Bewegung die Plastizität von Neuronen fördert und so einer Atrophie des Hippocampus entgegen wirkt.

Ein anderer Ansatz, der in Berlin vom designierten DGPPN-Präsidenten Professor Peter Falkai vorgestellt wurde, ist die altbekannte, repetitive transkranielle Magnetstimulation (r-TMS). "Dieses Verfahren wird derzeit in der RESIS-Studie untersucht, bei der der Effekt auf die Negativsymptome bei Schizophrenie im Vordergrund steht", so Falkai. In Pilotstudien war die Negativsymptomatik nach zweimal fünf Therapiesitzungen deutlich rückläufig gewesen. RESIS untersucht das jetzt in einem randomisierten Studiendesign.

Mit elektrischen, nicht mit magnetischen Impulsen arbeitet die transkutane Stimulation des Nervus vagus (t-VNS). "Aus Studien zur tiefen Hirnstimulation wissen wir, wie ausgeprägt der Effekt dieses Verfahrens auch bei psychisch kranken Patienten sein kann", so Falkai. Bei der t-VNS wird nun versucht, die Stimulation der Hirnbasis und speziell des Nervus vagus nichtinvasiv zu erreichen. "In einer aktuellen Studie setzen wir dazu einen Stimulator in den äußeren Gehörgang von Schizophrenie-Patienten ein, der Impulse aussendet, die an die Hirnbasis weitergeleitet werden", so Falkai. Die Hoffnung ist, dass sich das ähnlich günstig auf die synaptische Plastizität auswirkt wie die invasive Stimulation, sagte der Psychiater.

Schon abgeschlossen wurden die Ergebnisse einer Studie mit Fischöl. "Auch von Fischöl wissen wir, dass es die Regeneration des Gehirns fördert. Es ist aber nicht bei allen Patienten gleich wirksam", so Falkai. Zu profitieren scheinen vor allem Patienten in frühen Stadien psychotischer Erkrankungen. So konsumierten in einer Studie 81 Patienten mit ersten psychotischen Symptomen oder mit Risikofaktoren für eine Psychose zwölf Wochen lang entweder 1,2 Gramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag oder aber Placebo. Nach einem Jahr hatten nur knapp fünf Prozent der Patienten in der Fischöl-Gruppe, aber 28 Prozent der Patienten in der Placebogruppe eine manifeste Psychose (Archives of General Psychiatry; 67:146).

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Statistik zur Nikotinsucht

Fast ein Fünftel der Deutschen ab 15 Jahren raucht

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Apps auf Rezept im Visier

Schutz vor Regress bei der DiGA-Verordnung

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Lesetipps
Dass Sport einen positiven Effekt bei Patienten mit Depressionen hat, ist nichts Neues. Der Casus Knacksus ist die Motivation.

© Rifqi Muflih / stock.adobe.com

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Jörg Schelling

© Foto: Matthias Balk

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Ein Arzt arbeitet mit einer KI-Anwendung.

© Deemerwha studio / stock.adobe.com

Von DiGA bis Chatbot

Wie KI hilft, die rheumatologische Versorgung zu verbessern