Direkt zum Inhaltsbereich

Mit einem Pflaster gegen Borreliose

Zur Borreliose-Prophylaxe nach Zeckenstich schluckt kaum jemand mehrere Wochen ein Antibiotikum. Eine Alternative könnte ein azithromycinhaltiges Pflaster sein.

Veröffentlicht:
Beim Stich kann eine Zecke Borrelien übertragen.

Beim Stich kann eine Zecke Borrelien übertragen.

© Stefan Schejok / panthermedia

LEIPZIG (MUC/dk). Ist die lokale Antibiotika-Therapie die Strategie der Zukunft für die Lyme-Borreliose-Prophylaxe?

Im Tierversuch zumindest gelang es Münchner Forschern, den Erreger in der Haut mit einer lokalen Antibiotikatherapie sicher zu eliminieren.

Experiment mit 78 Mäusen

Der Bakteriologe Reinhard Straubinger von der Ludwig-Maximilians-Universität und sein Team infizierten 78 Mäuse mit dem Erreger Borrelia burgdorferi: Entweder inokulierten sie den Erreger per Nadel oder ließen die Tiere von infizierten Zecken beißen.

Anschließend klebten die Forscher den Mäusen ein mit Azithromycin-Gel beschichtetes Pflaster oder Placebo auf die Stelle des Nadel- oder Zeckenstichs.

Eine Gruppe wurde über einen Nadelstich infiziert

Von den 40 Mäusen, die über einen Nadelstich infiziert wurden, erhielten je zehn Tiere ein Pflaster mit einer fünfprozentigen Azithromycin-Formulierung eine Stunde, drei Tage oder fünf Tage nach Infektion aufgeklebt. Die Restlichen bekamen ein Placebo.

In der "Zecken-Gruppe" erhielten die Tiere das Pflaster mit unterschiedlichen Antibiotikakonzentrationen. Ein Teil der Tiere wurde entweder gar nicht behandelt oder bekam ein Placebo aufgeklebt. Mit der Behandlung wurde direkt nach Entfernen der Zecke begonnen.

Kein Borreliose bei der "Zecken-Gruppe" mehr nachweisbar

Die lokale Therapie überzeugte: Bei keinem Tier aus der "Zecken-Gruppe" ließen sich im Anschluss an die Behandlung noch Borrelia burgdorferi nachweisen.

Gleiches galt für die Mäuse, die über einen Nadelstich infiziert wurden - vorausgesetzt, die Behandlung erfolgte innerhalb von drei Tagen nach Infektion (J Antimicrob Chemother 2011, online 15. September).

Spirochäten bleiben lange am Infektionsort

Die gute Wirksamkeit der topischen Behandlung auch bei verzögertem Beginn erklären die Studienautoren zum einen mit der Art der Erregervermehrung in der Haut. Es ist bekannt, dass die Spirochäten zwei Tage und länger am Infektionsort verbleiben, ehe sie sich im Organismus ausbreiten.

Zum anderen konnten die Forscher zeigen, dass die Gewebekonzentration von Azithromycin fast 4000-fach höher ist als die minimale Hemmkonzentration der Spirochäten.

Phase-III-Studie mit Menschen gestartet

Mittlerweile wird die lokale Antibiotika-Behandlung gegen Borrelien auch mit infizierten Menschen in einer Phase-III-Studie getestet.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass diese Untersuchung die gute Wirksamkeit und geringe Nebenwirkungsrate aus den Tierexperimenten bestätigt.

Mehr zum Thema

Kommentar zu Folgen nach Borrelien-Infektion

Verworren verwirrende Krankheitsbilder

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Aufklärung zu Risikogruppen essenziell

Netzhautablösung: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

Lesetipps
Eine ältere Frau benutzt ein Smartphone.

© fizkes / Getty Images / iStock

Leitfaden von Dr. Alexandra Widmer

So wird die DiGA zum sinnvollen Behandlungs-Tool: Kollegin gibt Tipps

Zwei ältere Menschen joggen am Strand.

© Ingram Publishing / Thinkstock.com

27 Krebsarten in der Analyse

Gesund leben, Krebsrisiko senken: Studie untermauert Zusammenhang