Thrombose/Embolie

Moderne Antikoagulation auch für Nierenkranke

BASEL (sko). Die Therapie mit einem niedermolekularen Heparin (NMH) hat sich auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialyse als sichere Antikoagulation bewährt. Auch wenn ein Vorteil im Vergleich zu unfraktioniertem Heparin (UFH) in Studien noch nicht belegt ist, sollten diesen Patienten NMH nicht vorenthalten werden.

Veröffentlicht: 06.03.2006, 08:00 Uhr

Das sagt Professor Reinhard Klingel vom Apherese-Forschungsinstitut in Köln. In Deutschland haben nach seinen Angaben 82 300 Menschen eine eingeschränkte Nierenfunktion mit einer Kreatinin-Clearance unter 15 ml/min. "Und diese Zahl wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen", sagte Klingel bei einer vom Unternehmen Sanofi-Aventis organisierten Veranstaltung in Basel.

Die Therapie mit einem NMH hat nach seinen Angaben auch für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion einige Vorteile. Dazu gehören das geringere Blutungsrisiko, die niedrigere Inzidenz der Heparininduzierten Thrombozytopenie oder das seltenere Auftreten von unerwünschten Wirkungen wie Juckreiz oder Hautreizungen. Das NMH Enoxaparin (Clexane®) darf auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz sowie bei dialysepflichtigen Patienten angewendet werden.

Allerdings: "Es gibt keine prospektive Studie, die speziell die Vorteile der NMH bei schwerer Niereninsuffizienz belegt", sagte Klinge. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion seien in den Studien unterrepräsentiert. So stellte Klingel eine retrospektive Analyse der Daten von nierenkranken Patienten aus zwei Studien vor. Darin hatte sich bei der Sterberate nach 43 Tagen ein Vorteil für die NMH herausgestellt, der allerdings nicht signifikant war.

"Trotzdem sollten wir diesen Patienten die NMH nicht generell vorenthalten", sagte Klingel. Denn umfangreiche Erfahrungen und Analysen bildeten eine Basis, auf der man die NMH bei Patienten mit Niereninsuffizienz sicher einsetzen könne.

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