Direkt zum Inhaltsbereich

Seltene Erkrankungen

Morbus Fabry bleibt noch oft unerkannt

Für die Diagnose eines Morbus Fabry braucht es Bewusstsein für die Erkrankung und interdisziplinäre Zusammenarbeit, betonen Experten.

Veröffentlicht:

Berlin. Morbus Fabry ist das Chamäleon unter den seltenen Erkrankungen. „Selbst wenn mehrere Familienangehörige die gleiche Mutation haben, können sie alle vollkommen unterschiedliche Symptome aufweisen“, erklärte Dr. Jens Gaedeke von der Charité Universitätsmedizin Berlin bei einer vom Unternehmen Shire unterstützten Veranstaltung.

Auffällige Angiokeratome treten meist im Kindes- oder Jugendalter auf. Zu weiteren wichtigen Symptomen zählen Polyneuropathien, die unter Umständen ebenfalls schon im Kindesalter auftreten und als Wachstumsschmerz fehlgedeutet werden können, Herzbeteiligung mit Luftnot und Schmerzen im Thoraxbereich, progrediente Niereninsuffizienz, Magen-Darm-Beschwerden und Schlaganfall.

Zeige ein Patient eines oder mehrere solcher Symptome, ohne dass es dafür eine erklärbare Ursache gebe, sollte die Diagnose Morbus Fabry in Betracht gezogen werden. Bei einer Inzidenz von 1 : 20.000 bis 1 : 40.000 sei die X-chromosomal vererbte lysosomale Speicherkrankheit in Deutschland bei etwa 1000 Patienten diagnostiziert. Etwa ebenso viele Betroffene sind nach Einschätzung des Internisten und Nephrologen jedoch unerkannt. Bis zur Diagnose vergingen nach Auftreten der ersten Symptome etwa 15 Jahre.

„Es bedarf eines gewissen Bewusstseins für die Erkrankung und einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, um die Diagnose rechtzeitig zu stellen und Patienten früher helfen zu können“, ergänzte die Internistin und Nephrologin Dr. Sima Canaan-Kühl, Charité Universitätsmedizin Berlin.

Sehr wichtig sei im Verdachtsfall die Familienanamnese, etwa mit der Frage, ob ein Angehöriger an Herzrhythmusstörungen gestorben sei. Bestätige der einfache Labortest oder/und die Gensequenzierung den Enzymdefekt, sollten – zusätzlich zur Enzymersatztherapie – alle Organe durchgecheckt und die dadurch diagnostizierten Symptome mitbehandelt werden. (he)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Mai-Sitzung des CHMP

EMA-Experten empfehlen vier Pharma-Innovationen zur europaweiten Zulassung

Dosisabhängige Effekte

Rauchen verschlimmert Morbus Basedow

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Lesetipps
Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?

Füße mit Lymphödem

© [M]_Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Ödem ist nicht gleich Ödem

Lymphödem versus Lipödem: Tipps für Diagnostik und Therapie