Nach 30 Jahren ohne Migräne-Attacken löste ein Tumor wieder Kopfschmerzen aus

Eine Patientin erkrankte nach 30 Jahren ohne Migräne-Attacken erneut an Kopfschmerzen. Ursache war offenbar ein Hirntumor, der die Schmerzen durch parakrin sezernierte Signalstoffe triggerte. Von Thomas Meißner

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Kontrastmittelaufnehmende Raumforderung im Bereich der Sinus cavernosus beidseits. Der Tumor wächst in das Keilbein.

Kontrastmittelaufnehmende Raumforderung im Bereich der Sinus cavernosus beidseits. Der Tumor wächst in das Keilbein.

© Foto: Dr. C. J. Schankin / Springer Medizin Verlag

Haben Krebspatienten bereits früher unter primären Kopfschmerzen wie Migräne gelitten, ist das ein eigenständiger Risikofaktor für Hirntumor-assoziierte Kopfschmerzen. Die Ursachen für den Tumor-assoziierten Kopfschmerz sind nicht unbedingt Zug oder Druck, sondern entzündliche oder parakrine Vorgänge.

Münchner Kollegen beschreiben jetzt den Fall einer 57-jährigen Krebspatientin, die als junge Frau etwa einmal monatlich unter migräneartigen Kopfschmerzen gelitten hatte. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes sei sie 30 Jahre lang attackenfrei geblieben, so Dr. Christoph J. Schankin von der Neurologischen Klinik in Großhadern und seine Kollegen (Nervenarzt 4, 2008, 467).

Hirnmetastase wurde im Klivusbereich entdeckt

Mit 51 Jahren war ein papilläres Schilddrüsenkarzinom diagnostiziert worden, das trotz multimodaler Therapie rezidiviert und systemisch metastasiert hatte. Zum Zeitpunkt der Vorstellung bei den Neurologen war seit etwa einem Jahr eine Hirnmetastase im Klivusbereich bekannt. Klinisch bestand eine komplette Abduzensparese rechts, und die Patientin hatte Parästhesien im Versorgungsbereich des zweiten Trigeminusastes rechts.

Die Frau klagte über rezidivierende Kopfschmerzattacken etwa alle zehn Tage, die bis zu vier Tage lang anhalten würden. Die Schmerzen traten rechts von okzipital nach frontal ziehend auf, waren stechend-pulsierend und sehr stark sowie von Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit begleitet. Die Schmerzen waren weitgehend identisch mit den früher aufgetretenen Attacken, nur wesentlich stärker und mit erhöhter Attackenfrequenz.

Im MRT hatte sich der Hirntumor von 2,6 auf 4,7 cm vergrößert. Laborchemisch fiel unter anderem ein mit 3,7 mg/dl erhöhtes CRP auf. Aufgrund der fehlenden Jodaufnahme des Tumors in der Szintigrafie kam keine Radiojodtherapie infrage. Der Hirntumor wurde transkutan und fraktioniert mit insgesamt 40 Gy bestrahlt. Adjuvant erhielt die Frau 8 mg Dexamethason täglich oral. Unter dieser Behandlung nahmen die Kopfschmerzen sofort ab und verschwanden schließlich ganz.

Schmerzlinderung durch antiödematösen Effekt?

Grund für den Therapieerfolg war nach Ansicht der Neurologen jedoch nicht eine mechanische Entlastung. Denn die Grunderkrankung schritt weiter fort. Zwar sei eine antiödematöse Wirkung des Glukokortikoids als schmerzlindernde Ursache nicht auszuschließen. Doch gab es nie Zeichen eines Hirnödems oder eines erhöhten Hirndrucks.

Dies stützt nach Angaben der Neurologen die Hypothese, dass Hirntumoren durch parakrin sezernierte Signalstoffe Kopfschmerzattacken triggern, besonders dann, wenn Patienten eine Prädisposition zu Kopfschmerzen haben. Mögliche Kandidaten für die Stoffe sind NO, CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide) im Zusammenhang mit Migräne, für entzündliche Erkrankungen TNF-alpha und IL-6. Wo dadurch der Kopfschmerz entsteht, ist noch unklar.

Lesen Sie dazu auch: "Man muss viel Wert auf die Anamnese legen"

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