Erektionsfähigkeit

Nach Prostatektomie früh Sildenafil geben!

Männer, die nach einer Roboter-assistierten Prostatektomie schon früh Sildenafil zur penilen Rehabilitation erhalten, haben bessere Chancen auf eine Erholung der Erektionsfunktion. Das sagt eine Studie aus Korea aus.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:

SEOUL. Auch nach nervenschonender Prostatektomie, wie sie die Roboter-assistierte Operation ermöglicht, haben viele Männer mit Potenzproblemen zu kämpfen. An Erklärungen dafür mangelt es nicht, sie reichen von der Verletzung kavernöser Nerven und der Arteria pudenda sowie lokalen entzündlichen Veränderungen über eine Hypoxie der glatten kavernösen Muskulatur mit Apoptose und Fibrose bis zur venookklusiven Dysfunktion in den Schwellkörpern.

Eher schon herrscht Mangel an Strategien, wie dem Verlust der erektilen Potenz nach der Entfernung der Prostata vorzubeugen wäre. Operative Nervenschonung allein genügt offenbar nicht. Denn auch bei diesem Vorgehen ist ein gewisses Maß von Schäden an Nerven und Gefäßen nicht zu vermeiden – mit hypoxie- und fibrosebedingten Folgen für das Corpus cavernosum, in dem die NO-Freisetzung reduziert und die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt wird.

Koreanische Studie zu früher Gabe

In diesem Zusammenhang hat in den vergangenen Jahren der Begriff der penilen Rehabilitation die Runde gemacht. Speziell PDE-5-Hemmer sollen bei der Erholung der Erektionsfunktion helfen. Koreanische Urologen um Jung Ki Jo von der Hanyang-Universitätsklinik in Seoul haben in einer vom Unternehmen Pfizer unterstützten Studie untersucht, wie sich eine frühe Gabe von Sildenafil nach Prostatektomie im Vergleich zu einem späteren Einsatz auswirkt (J Urol 2018; online 4. Januar).

120 Männer mit Prostatakrebs und einem präoperativen Wert im International Index of Erectile Function (IIEF)-5 von mindestens 17 – mit also höchstens schwacher erektiler Dysfunktion – wurden dafür zwei Gruppen zugelost.

Die Männer in Gruppe eins bekamen zweimal wöchentlich 100 mg Sildenafil, beginnend nach dem Ziehen des Blasenkatheters acht bis 14 Tage nach der Operation. Für die Männer in Gruppe zwei gab es die erste Dosis Sildenafil erst drei Monate nach der Prostatektomie. Nach dreimonatiger Therapie konnten die Männer auf eine Bedarfsmedikation umsteigen.

In der Gruppe mit früh verabreichtem Sildenafil wuchs der Anteil der Patienten, die ihre Erektionsfähigkeit wiedererlangten, während der ersten neun Monate nach dem Eingriff stetig. Nach zwölf Monaten waren 41,4 Prozent wieder auf dem IIEF-5-Stand, den sie vor der Operation hatten. Mit verzögerter Gabe von Sildenafil gelang das nur bei 17,7 Prozent der Männer.

Zunahme des IIEF-5-Scores

Neben diesem signifikanten Vorteil der frühen Gabe war in beiden Gruppen während der einjährigen Nachbeobachtung eine Zunahme der durchschnittlichen IIEF-5-Scores festzustellen. Dabei lagen die Männer in der Gruppe mit frühem Sildenafil zwar durchweg vorne. Signifikant war die Differenz aber nur nach drei Monaten (8,9 versus 4,1 Punkte).

Jo und Kollegen sehen in ihren Resultaten einen Hinweis darauf, dass die frühe Einnahme von Sildenafil nach einer Prostatektomie die kavernöse endotheliale Struktur und Funktion bewahrt. Die Förderung der Oxygenation könnte strukturelle Veränderungen an der kavernösen glatten Muskulatur während der Zeit der Neuropraxie im Corpus cavernosum verhindern.

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