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Immunologie

Netze aus DNA verschließen Blutgefäße

Hamburger Forscher haben eine neue Ursache für den Verschluss von Blutgefäßen entdeckt.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Gefäßverschlüsse können auch durch Netze aus DNA entstehen, hat ein Forscherteam der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) herausgefunden (Science 2017; 358(6367): 1202-1206). Dieser Mechanismus ist unabhängig von den bisher angenommenen Ursachen für Gefäßverschlüsse: dem Verklumpen von Thrombozyten und der Blutgerinnung.

Neutrophile Granulozyten nutzen die physikalischen Eigenschaften ihrer DNA-Filamente, um daraus Netzstrukturen auszubilden. Die als NETs (Neutrophil Extracellular Traps) bezeichneten DNA-Netze sind für die Abwehr von Infektionen wichtig, heißt es in einer Mitteilung des UKE zur Veröffentlichung der Studie. "NETs sind hilfreich, wenn sie sich auf Wunden bilden und dort Bakterien einfangen. NETs können so verhindern, dass sich Infektionen im Körper ausbreiten", wird der Leiter der Arbeitsgruppe, Dr. Tobias Fuchs vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, zitiert. "Entstehen NETs dagegen im Körper, können sie extrem schädlich sein." Die im Jahr 2004 erstmals entdeckten DNA-Netze würden zum Beispiel mit einer Reihe von Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht.

Das Forscherteam hat untersucht, wie sich der Körper gegen die Netze schützt. "Wir haben herausgefunden, dass in der Blutbahn zwei spezialisierte Enzyme, DNase1 und DNasel-like 3, zirkulieren, die DNA-Netze im Normalfall verdauen und unschädlich machen", so Fuchs. Beide Enzyme zersetzen die DNA-Netze selbstständig, wenn sie mit diesen in Kontakt kommen. Die Forscher schalteten die Enzyme im Labor ab und entdeckten so, dass unverdaute DNA-Netze bei Entzündungen den Blutfluss blockieren und dadurch schwere Organschäden auslösen.

Bei Sepsis sei die Aktivität der DNA-Scheren stark vermindert, so die Forscher. Dadurch steige die Gefahr für ein Organversagen aufgrund von Gefäßverschlüssen.

Die Erkenntnisse der UKE-Forscher könnten nun neue Therapieoptionen bei Sepsis eröffnen. Fuchs: "Die gefährlichen DNA-Netze in der Blutbahn könnten durch Injektion von aktiven DNA-Scheren zersetzt werden." (mmr)

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