Neue Medikamente verhindern Rezidive bei Darmkrebs

HAMBURG (mut). Die meisten Patienten mit einem Kolonkarzinom ohne Metastasen können heute geheilt werden - und zwar selbst dann, wenn bereits Lymphknoten befallen sind. Überlebten vor 20 Jahren nur etwa 40 bis 50 Prozent solcher Patienten, so sind es heute 60 bis 65 Prozent - dank einer adjuvanten Chemotherapie, die schrittweise verbessert wurde. Mit neuen Medikamenten wie Capecitabin oder Oxaliplatin wird die Chemotherapie jetzt noch wirkungsvoller.

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Etwa 50 bis 70 Prozent der Patienten mit Kolonkarzinom haben bei der Diagnose Tumoren der Stadien I bis III, also Tumoren die noch keine Metastasen gebildet haben.

Bei kleineren Tumoren im Frühstadium (Stadium I) sowie bei größeren Tumoren ohne Lymphknotenbefall (Stadium II) genügt meist eine Resektion des Tumors, um die Patienten zu heilen: Im Stadium I gelingt dies praktisch bei allen Patienten, im Stadium II bei etwa 75-80 Prozent der Betroffenen.

Ob bei Stadium-II-Tumoren eine zusätzliche Chemotherapie etwas nützt, darüber wird noch diskutiert, so Privatdozent Udo Vanhoefer vom Marienkrankenhaus in Hamburg. In unterschiedlichen Studien ergab sich damit nur ein geringer Vorteil: Je nach Studie lebten mit einer Chemotherapie nach fünf Jahren ein bis vier Prozent mehr Patienten als ohne, so Vanhoefer auf einem Symposium von Hoffmann-La Roche in Hamburg. Es müsse daher individuell geklärt werden, ob bei Stadium-II-Patienten, etwa wenn der Tumor bereits sehr groß ist, eine adjuvante Chemotherapie gemacht werde.

Eindeutig ist dagegen die Situation bei Stadium-III-Tumoren, also bei Befall von Lymphknoten, aber noch ohne Fern-Metastasen. Hier ist seit Anfang der 90er Jahre eine adjuvante Chemotherapie Standard.

Damals wurde in einer großen Studie nachgewiesen, daß sich durch eine adjuvante Chemotherapie die Fünf-Jahres-Überlebensrate um zehn Prozentpunkte verbessern ließ - und zwar von 50 Prozent bei alleiniger Operation auf knapp 60 Prozent bei Op plus Chemotherapie, sagte Dr. Peter Reichert von der Charité in Berlin. Die Chemotherapie bestand damals aus dem Pyrimidin 5-Fluorouracil (5-FU) plus Levamisol. Seither wurde die Chemotherapie schrittweise verbessert, so Reichert.

Levamisol wurde durch Folinsäure (FS) abgelöst. Mit der Kombination 5-FU/FS lies sich die Fünf-Jahres-Überlebensrate im Vergleich zu 5-FU/Levamisol nochmals um etwa drei Prozentpunkte steigern, und statt Therapiezyklen über ein Jahr war mit 5-FU/FS nur noch eine sechsmonatige Behandlung nötig.

Inzwischen gibt es erneut Verbesserungen. So läßt sich 5-FU/FS durch Capecitabin (Xeloda®) ersetzen. Capecitabin ist eine Vorläufersubstanz von 5-FU und wird vorwiegend in Tumorzellen in das zytotoxische 5-FU umgewandelt. Der Vorteil gegenüber 5-FU: Eine bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Belegt werden konnte dies in der X-ACT-Studie (wir berichteten). An der Studie nahmen knapp 2000 Patienten mit Kolonkarzinomen im Stadium III teil. Sie erhielten nach der Op entweder sechs Monate 5-FU/FS oder Capecitabin. Mit 5-FU/FS lebten nach knapp vier Jahren noch etwa 60 Prozent der Patienten ohne Rezidive, mit Capecitabin waren es etwa 64 Prozent.

Eine schwere, oft Dosis-limitierende Diarrhö trat mit Capecitabin deutlich seltener auf als mit 5-FU/FS. Doch Capecitabin hat noch einen weiteren Vorteil: Es wird oral eingenommen. 5-FU wird dagegen als Dauerinfusion über 48 Stunden verabreicht. Dazu muß ein Port gelegt werden, der Quelle von Komplikationen sein kann.

Das neue Mittel ist bereits bei metastasierendem Kolonkarzinom (Stadium IV) zugelassen, die Zulassung zur adjuvanten Therapie wird für Mitte 2005 erwartet.

Mit einer Kombination aus dem Platin-Derivat Oxaliplatin und 5-FU/FS läßt sich ebenfalls die Wirksamkeit der adjuvanten Chemotherapie verbessern: Mit der Dreierkombination leben nach drei Jahren fünf Prozent mehr Patienten rezidivfrei als mit 5-FU/FS allein. Nahe liegt nun, 5-FU/FS in diesem Schema durch Capecitabin zu ersetzen.

Ob die Kombination Capecitabin/Oxaliplatin den bisherigen Therapie-Regimen überlegen ist, wird derzeit ins Studien geprüft - und zwar sowohl bei Patienten mit Tumoren im Stadium III, als auch bei solchen im Stadium II.

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