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Neues Antibiotikum wirkt bei Problemkeimen

HEIDELBERG (ej). "Als dringend nötige Bereicherung der Therapie bei lebensbedrohlichen Infektionen", bewertet Dr. Dierk Schmitt von der Universität Leipzig das neue Antibiotikum Tigecyclin. Der erste Wirkstoff aus der Substanzklasse der Glycylcycline ist durch sein breites Wirkspektrum und die gute Verfügbarkeit in entzündeten Arealen als Monotherapie zugelassen.

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Für die Therapie bei komplizierten Haut- und Weichteil-Infektionen sowie bei komplizierten intraabdominellen Infektionen ist Tigecyclin auf dem Markt. Es wird zweimal täglich intravenös appliziert. In Studien wurden vier Stunden nach der Infusion hohe Wirkstoffkonzentrationen in Gallenblase (38fach höher als im Serum), Lunge (8,6fach) und Darm (2,1fach) gemessen.

Ähnliches gilt für das Lungengewebe und das hepato-biliäre System. Wegen des guten Eindringens ins Lungengewebe werde das Medikament derzeit für die Therapie bei Pneumonie-Patienten geprüft, hieß es auf einer Veranstaltung von Wyeth Pharma.

Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Tigecyclin als Monotherapie liegen Ergebnisse aus Zulassungsstudien mit über 3000 Patienten vor. Patienten mit komplizierten intraabdominellen Infektionen wurden mit dem Antibiotikum zu 86 Prozent geheilt. "Damit ist Tigecyclin als Monotherapie ebenso wirksam wie die Kombinationstherapie mit Imipenem plus Cilastatin, dem bisherigen Goldstandard", sagte Schmitt.

Die Rate unerwünschter gastrointestinaler Wirkungen habe bei Therapie mit Tigecyclin 39 Prozent betragen. Mit den Vergleichsmedikationen der Zulassungsstudien habe die Rate bei durchschnittlich 44 Prozent gelegen. Zudem habe die Monotherapie Vorteile: Wirkspektrum, Wirkspiegel und Interaktionen mit anderen Medikamenten seien im Vergleich zu Kombinationstherapien gut überschaubar, sagte Schmitt.

Tigecyclin wird langsam abgebaut: Die Halbwertzeit beträgt bei der Dosis von 100 mg einmal täglich 38 Stunden, bei 100 mg zweimal täglich 67 Stunden. Etwa 22 Prozent der Substanz werden über die Nieren ausgeschieden, fast zwei Drittel über Galle und Stuhl.

Daher sei bei Patienten mit Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung nötig, so Schmitt. Bei Patienten mit leichten bis mittleren Leberschäden müsse die Dosis jedoch reduziert, bei schweren Leberschäden sogar halbiert werden.



STICHWORT

Tigecyclin

Tigecyclin ist bisher das einzige in Deutschland zugelassene (seit Mai 2006) Glycylcyclin-Antibiotikum.

Glycylcycline: Weiterentwicklung der Tetracycline. Die neue Klasse von Breitspektrum-Antibiotika überwindet die Hauptmechanismen der Tetracyclin-Resistenz.

Wirkweise: Bakteriostatisch durch Bindung an Ribosomen, dadurch Hemmung der Proteinsynthese.

Wirkspektrum: Erfaßt grampositive, gramnegative und multiresistente Erreger. Wirkungslücke bei Pseudomonas aeruginosa.

Unerwünschte Wirkungen: Ähnlich wie Tetracycline, Übelkeit, Erbrechen, Photosensibilität, bei Kindern Zahnverfärbungen.

Ausscheidung: Zu 59 Prozent hepato-biliär, zu etwa 22 Prozent renal. (skh)

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