Alzheimer

Neues therapeutisches Zielmolekül?

Veröffentlicht: 12.07.2016, 16:24 Uhr

ESSEN. Wissenschaftler des Instituts für Neuropathologie der Medizinischen Fakultät der Uni Duisburg-Essen (UDE) haben in Kooperation mit der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) und der Klinik für Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München die zentrale Rolle entdeckt, die das Enzym Kallikrein 8 (KLK8) für den Verlauf der Alzheimer-Krankheit spielt (Alzheimer's & Dementia 2016; online 18. Juni). Das Enzym ist an der Gedächtnisbildung und Angstentstehung beteiligt, teilt die UDE mit.

Schon in einem frühen Krankheitsstadium konnte das Team um die Neuropathologin Professor Kathy Keyvani im Gehirn der Betroffenen einen KLK8-Überschuss feststellen. Und die KLK-Werte in Blutplasma und Liquor veränderten sich auffällig. Wenn man also die Aktivität dieses Enzyms ausbremst, schlussfolgerten die Forscher, wirkt sich dies vermutlich auf den Krankheitsverlauf aus.

Und die Versuchsergebnisse gaben ihnen recht: Wurde die KLK8-Enzymaktivität vier Wochen langim Tiermodell durch Antikörper gehemmt, schwächten sich die pathologischen Veränderungen im frühen Krankheitsstadium ab oder verschwanden sogar ganz - und das ohne erkennbare Nebenwirkungen, heißt es in der Mitteilung.

Die Enzymblockade wirkt auf mehreren Wegen: So senkt sie die Alzheimer-typische Ablagerung von Plaques im Gehirn, weil weniger davon in der Plaque-Vorstufe produziert wird und schon vorhandene Plaques ausgeschwemmt und entfernt werden. Außerdem kann die krankheitstypische Tau-Pathologie unterbunden werden, bei der das geschädigte Transportprotein Tau zum Absterben erkrankter Nervenzellen beiträgt.

Stattdessen werden die Nervenzellen komplexer und robuster, das Gehirn schüttet weniger angstauslösende Signale aus. Auch wenn die Studienergebnisse sehr vielversprechend sind: Bis zur Einführung eines möglichen Therapeutikums ist noch ein langer Weg zu überwinden. Ob KLK8 zudem Aussichten hat, sich als früher Biomarker in der Alzheimer-Diagnostik zu etablieren, muss noch weiter untersucht werden. (eb)

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