WONCA-Kongress

Nutzen von Magnesium bei Krämpfen nicht belegt

Wenn Patienten über Beinkrämpfe klagen, wird ihnen in der täglichen Praxis oft Magnesium empfohlen. Doch es gibt keine hochwertigen Studien, denen zufolge das hilft.

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Nächtliche Wadenkrämpfe – toxische oder organische Erkrankungen können solche Muskelkrämpfe begünstigen.

Nächtliche Wadenkrämpfe – toxische oder organische Erkrankungen können solche Muskelkrämpfe begünstigen. Meist sind sie aber idiopathisch.

© sopradit / stock.adobe.com

Berlin. Die meisten Menschen dürften es kennen, vor allem aus der Nacht: Plötzlich verkrampfen die Beinmuskeln. Das ist äußerst schmerzhaft. Höheres Lebensalter, Schwangerschaft, sportliches Training, Elektrolytstörungen, Dialyse und andere toxische oder organische Erkrankungen können solche Muskelkrämpfe begünstigen. Meist sind sie aber idiopathisch. Da Magnesium als intrazelluläres Kation an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt und auch für die Muskelfunktion wichtig ist, wird es oft zur Krampf-Prophylaxe verwendet. Aber bringt die Supplementation wirklich etwas? Das war jetzt auch ein Thema beim virtuellen Europäischen Kongress der World Organization of Familiy Doctors (WONCA).

Vorgestellt wurden hierzu die Ergebnisse einer Gruppe portugiesischer Allgemeinmediziner um Dr. Mara Arruda aus Praia de Vitória, die nach Literatur hoher Evidenzstufe zu Magnesium und Muskelkrämpfen bei gesunden, nicht-schwangeren, auch älteren Menschen gesucht hatten (Posterpräsentation). Gefunden haben sie unter 13 englischsprachigen Publikationen, die zwischen 2009 und 2019 erschienen und in Portugal verfügbar waren, letztlich drei systematische Reviews und Metaanalysen (Cochrane Review 2020, online 21. September; Fam Pract 2014; 31(1): 7-19; BMJ Clin Evid. 2015: 1113).

Magnesium nicht besser als Placebo

Nach Angaben Arrudas flossen in ihre Auswertung insgesamt Daten von 1280 Teilnehmern ein. Durchschnittlich waren sie 64,8 Jahre alt. Das Ergebnis: Magnesium konnte idiopathische Muskelkrämpfe klinisch nicht besser vermeiden als Placebo. Die Zahl der wöchentlichen Krämpfe veränderte sich unter Magnesium nur gering und nicht signifikant zur anfänglichen Häufigkeit, und es gab auch keine Unterschiede in Zahl und Intensität der Krämpfe zwischen den Placebo- und Behandlungsgruppen.

Es bedürfe weiterer, umfangreicherer Studien mit längerem Follow-up und möglichst wenig Verfälschung durch die Auswahl der Patienten, um diesen Eindruck zu untermauern.

Mehr zum Thema

Prospektive Kohortenstudie

Erhöhen Opioide das Krebsrisiko?

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen