Osteoporose bei Schwangeren oft erst spät diagnostiziert

FRANKFURT AM MAIN (djb). Bei jungen Frauen kann der physiologische Knochendichteverlust in der Schwangerschaft zu Osteoporose mit Frakturen führen. Dann sei eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft zu erwägen, sagte Professor Peyman Hadji bei der Osteologie-Tagung 2009.

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Schwangere und stillende Frauen haben einen speziellen Knochenstoffwechsel mit einem physiologischen, meist vorübergehenden Abfall der Knochendichte. Einer der Gründe ist nach Angaben des Marburger Experten ein Shift von rund 30 g Kalzium aus dem Knochen der Mutter zum Kind, das für die Mineralisation des fetalen Skeletts erforderlich ist.

Betroffene klagen besonders im letzten Trimenon über Schmerzen.

Der Knochendichteverlust variiert und ist meist reversibel. Bei schätzungsweise vier von 100 000 Schwangerschaften entsteht eine fulminante Osteoporose, und die zunehmende mechanische Belastung im Verlauf der Schwangerschaft begünstigt Frakturen. Betroffene klagen besonders im letzten Trimenon oder in der frühen Postpartalphase über heftige Rückenschmerzen oder Hüftgelenks- und Fußknöchelschmerzen. Die Diagnose der schwangerschaftsassoziierten Osteoporose erfolgt meist verzögert, da Osteoporose normalerweise nicht mit jungen Frauen assoziiert wird, so Hadji. Diagnostisches Mittel der Wahl in der Schwangerschaft ist die Kernspintomografie, postpartal kann ein konventionelles Röntgenbild aufklären. Hinweise auf die Knochendichte liefert während der Schwangerschaft die der Quantitative Ultraschall, nach der Geburt die DXA-Messung.

Wichtig für die Prophylaxe ist eine kalziumreiche Ernährung und knochenstoffwechselgesunde Lebensweise zu Beginn einer Schwangerschaft. Wird das Krankheitsbild in der Schwangerschaft diagnostiziert und treten Frakturen auf, sei eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft per Kaiserschnitt zu erwägen. Zudem sollte eine Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung eingeleitet werden (1500 bis 2000 mg Kalzium, 800 bis 1000 IE Vitamin D am Tag). Betroffene Frauen sollten zudem nicht stillen, um einen weiteren Knochendichteverlust zu vermeiden. Medikamentöse Therapien, etwa mit Teriparatid oder Bisphosphonaten i.v., können nur "off label" erfolgen, da eine Zulassung nur für die postmenopausale Osteoporose besteht.

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