Pertussis-Booster für junge Erwachsene

WÜRZBURG (pf). Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland nimmt Keuchhusten zu. Die Ständige Impfkommission erwägt daher, künftig Erwachsenen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr einmalig eine Pertussis-Auffrischimpfung zu empfehlen.

Veröffentlicht:
Die Pertussisimpfung ist nur mit Kombivakzinen möglich.

Die Pertussisimpfung ist nur mit Kombivakzinen möglich.

© Foto: Csak Istvanwww.fotolia.de

Obwohl die Impfraten bei Kleinkindern gegen Keuchhusten mit über 90 Prozent hoch sind, nimmt die Inzidenz in der Bevölkerung zu. Daten dazu gibt es allerdings nur aus den neuen Bundesländern. Dort lag wegen der Impfprogramme in der ehemaligen DDR die Erkrankungsrate noch 1990 bei jährlich weniger als 1 pro 100 000 in der Bevölkerung. Heute erkranken etwa 34 auf 100 000, wie beim 3. Impfsymposium in Würzburg berichtet wurde.

Dabei hat sich das durchschnittliche Alter der Erkrankten erhöht. Während früher hauptsächlich Kinder im Alter zwischen 2 und 6 Jahren an Keuchhusten litten, sind heute vor allem ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene betroffen. Sie machen 70 Prozent aller Erkrankten aus.

Problematisch ist, dass sowohl eine überstandene Erkrankung als auch eine Impfung keinen lebenslangen Schutz vor einer Neuinfektion bieten können. Etwa 10 bis 15 Jahre nach dem letzten Kontakt mit dem Erreger ist eine Neuansteckung nicht unwahrscheinlich. Daher erwägt jetzt die Ständige Impfkommission (STIKO) in ihren neuen Empfehlungen, allen Erwachsenen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zu einer Boosterimpfung zu raten.

Um die Ansteckung von Säuglingen - die für die Impfung noch zu klein sind und lebensbedrohlich an Pertussis erkranken können - zu verhindern, rät die STIKO bisher zu einer Kokon-Strategie. Eltern, Großeltern und andere Kontaktpersonen von Säuglingen sollen geimpft werden. Hier gibt es aktuell noch Nachholbedarf, sagte Professor Johannes Liese von der Kinder- und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg. Als Infektionsquelle bei erkrankten Kindern stellten sich oft ein erkranktes Elternteil oder nahe Verwandte heraus.

Eine Untersuchung in Allgemeinarztpraxen in Rostock und Krefeld hat ergeben, dass von 971 Erwachsenen mit Husten 10 Prozent mit dem Keuchhusten-Erreger infiziert waren (wir berichteten). Wichtig außer der Impfung von Kindern ist daher, den Impfstatus der Eltern zu überprüfen.

Ein Ärztemerkblatt Pertussis unter www.rki.de, "Infektionskrankheiten A-Z"

Fragen zum Impfen sammeln!

Rubina Roy vom FachSanZentrum der Bundeswehr in Hannover empfiehlt Hausärzten zur zeitsparenden Organisation von Impfungen, die häufigsten Fragen ihrer Patienten zu Impfungen zu sammeln und Antworten darauf schon mit dem Impfaufklärungsbogen auszugeben. Es habe sich gezeigt, dass viele Impflinge anschließend auf ein Arztgespräch vor der Impfung verzichten, sagte Roy beim 3. Impfsymposium in Würzburg. Der mit einer Impfung verbundene Aufwand in der Hausarztpraxis könne so reduziert werden. (pf)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Pertussis-Booster ist kein großer Wurf

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?

Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt