Suchtmedizin

Plädoyer für Kooperation in der Substitution

Substitution und Zahngesundheit: Das sind interdisziplinäre Herausforderungen bei opioidabhängigen Patienten.

Veröffentlicht: 22.07.2019, 07:39 Uhr

MÜNCHEN. Um Sucht- und Substitutionspatienten zurück in ein geregeltes Leben zu verhelfen, ist interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Suchtmedizinern, Psychotherapeuten, Allgemein- und etwa auch Zahnärzten gefragt. Ein wesentlicher Grundstein dabei ist die Sanierung des oft desolaten Zahnstatus.

Der erste Eindruck auf andere Menschen hängt in hohem Maße von gepflegten Zähnen ab, erinnerte Dr. Dipl.-Psych. Tim Pfeiffer-Gerschel vom Institut für Therapieforschung in München beim 20. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin. Opioidabhängige Patienten haben nicht selten marode Zähne, sei es durch direkte Wirkung der Droge auf den Zahnschmelz oder durch indirekte Effekte wie Mundtrockenheit, schlechte Mundhygiene, vermehrten Zuckerkonsum oder traumatische Zahnschäden.

Aufgrund des deutlich erhöhten Zeitaufwandes bei dieser Klientel riet die Berliner Zahnärztin Kirsten Falk bei der vom Unternehmen Sanofi unterstützten Veranstaltung, die Behandlung genau zu planen, die Patienten konsequent zu führen und das Personal gut zu schulen.

Welche Herausforderungen bei der Behandlung dieser Patientengruppe zu meistern sind, schilderte Falk am Beispiel einer 23-jährigen Substitutionspatientin. Die junge Frau habe sich mit desaströsem Zahnstatus und ausgeprägter Parodontitis vorgestellt. Der Praxisbesuch sei ein großer Schritt für die Patientin gewesen, da sie panische Angst vor der Zahnbehandlung hatte.

Gleichzeitig hatte sie aber auch überzogene Erwartungen. Die Forderung nach schneller, maximal ästhetischer, schmerzarmer und möglichst kostenneutraler Therapie habe oft zu Konflikten geführt. Mit viel Einfühlungsvermögen, Gesprächen und Zeit, sei es im Verlauf von zwei Jahren schließlich gelungen, das Gebiss der Patientin zu sanieren, über Mundhygiene aufzuklären und den Zahnersatz einzugliedern.

Die Zahnärztin setzt auf enge Kooperation mit den behandelnden Internisten oder Hausärzten, da Suchtpatienten oft zahlreiche Begleiterkrankungen haben.

So ist i. v.-Drogengebrauch der häufigste Übertragungsweg für eine Hepatitis C, die unbehandelt ja zu schweren Leberschäden bis hin zum Tod führen kann. Mit dem Aktionsbündnis „InfeCtion. Sucht. Versorgung“ der Unternehmen Sanofi und AbbVie soll künftig eine bessere Kooperation zwischen Substitutionsmedizinern und Internisten erreicht werden (wir berichteten). Im ersten Schritt soll eine Plattform für Akteure im Gesundheitssystem geschaffen werden, um gemeinsam die Versorgung von Suchterkrankten zu verbessern. (mju)

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