Thrombose/Embolie

Pneumatische Manschette erweitert Thrombose-Prophylaxe

HAMBURG (grue). Jeder vierte Patient auf Stationen der Allgemeinchirurgie bekommt ohne Prophylaxe eine Thrombose, nach unfallchirurgischen und orthopädischen Eingriffen sogar jeder zweite. Ein neues Verfahren mit pneumatischen Manschetten, die an den Beinen der Patienten die Muskelpumpe simulieren, könnte künftig die Prophylaxe mit Stützstrümpfen und Antikoagulantien ergänzen.

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Wieviel Thromboseschutz nötig ist, sollte nach dem individuellen Risikoprofil sowie nach Art, Dauer und Schwere der Operation entschieden werden. Das könne bei jedem Patienten mit Hilfe von Checklisten geprüft werden. Darauf hat Privatdozent Tido Junghans von der Charité Berlin bei einer Veranstaltung der Initiative "Aktion Meditech" in Hamburg hingewiesen.

In der Organisation haben sich Ärzte, Patienten, Verbände und Unternehmen zusammen getan. Sie plädieren dafür, bei der Vorbeugung gegen Venenthrombosen große Anstrengungen zu unternehmen. "Unabhängig vom Risikoprofil gilt für alle Operierten, daß sie sich nach dem Eingriff möglichst rasch wieder bewegen sollen", sagte Junghans. Auch elastische Kompressionsstrümpfe seien ein Muß, um Venenthrombosen zu verhindern.

Bei der intermittierenden pneumatischen Kompression werden am Op-Tag mehrkammerige Manschetten um die Beine der Patienten gelegt, die sie bis zur erfolgreichen Mobilisierung tragen. Die Kammern werden intermittierend mit Luft aufgeblasen. Über Sensoren, die den Füllstatus in den Venen messen, kann der Kompressionsdruck angepaßt werden.

"Auch bei längerer Bettlägerigkeit ist die Manschettenkompression der Beine eine wirksame Maßnahme", sagte Junghans. Der kombinierte Einsatz von Kompressionstrümpfen und pneumatischer Kompression steigert die Fließgeschwindigkeit des Blutes und verhindert einen Blutstau hinter den Venenklappen. Die mechanische Prophylaxe mit Strümpfen oder Manschetten sei bei richtiger Anpassung fast ebenso effektiv wie antithrombotisch wirksame Medikamente, sagte Junghans.

Bei Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko seien jedoch zusätzlich Medikamente notwendig. In der Charité Berlin werden alle drei Strategien - Kompressionsstrümpfe, Beinmanschetten und Antithrombose-Mittel - bei Bedarf miteinander kombiniert.



Aktion Meditech im Internet

Die von Industrieunternehmen, Patientenorganisationen, Ärzten und Verbänden getragene "Aktion Meditech" will auf die Bedeutung innovativer Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Medizintechniken für das Gesundheitssystem hinweisen. Patienten sollen über neue Techniken informiert werden, damit sie bei Therapie-Entscheidungen besser mitreden können. Schwerpunkte der Aktion sind Patientenveranstaltungen, Medienseminare und regelmäßige Diskussionsrunden mit Beteiligten des Gesundheitswesens. Weitere Infos hierzu gibt es im Internet unter www.aktion-meditech.de. (grue)

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