Direkt zum Inhaltsbereich

Reizdarm-Syndrom ist offenbar nicht genetisch bedingt

TÜBINGEN (ars). Am Reizdarm-Syndrom erkranken überzufällig häufig mehrere Mitglieder einer Familie. Das haben einige Studien ergeben. Die familiäre Häufung scheint aber weniger durch genetische Faktoren bedingt zu sein, als vielmehr durch Einflüsse der Umgebung.

Veröffentlicht:

Erste Hinweise darauf, daß Reizdarm-Beschwerden in manchen Familien gehäuft vorkommen, ergaben sich bereits vor 20 Jahren, wie Professor Hans-Dieter Allescher vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen bei einer Veranstaltung in Tübingen berichtet hat. So hatte sich bei einer Studie herausgestellt, daß ein Drittel der Reizdarm-Patienten Verwandte ersten Grades hatte, die ebenfalls erkrankt waren. Dagegen hatten nur zwei Prozent der gesunden Kontrollpersonen nahe Angehörige mit Reizdarm-Beschwerden.

Gestützt wurde die familiäre Assoziation zunächst scheinbar auch durch eine Fragebogenaktion bei mehr als 6000 Zwillingspaaren. Diese Untersuchung hat ergeben, daß bei 17 Prozent der eineiigen Paare beide Zwillinge an einem Reizdarm-Syndrom litten. Das gleiche galt aber nur für acht Prozent der zweieiigen Paare.

    Erlerntes Verhalten könnte die Beschwerden begünstigen.
   

Die Vermutung, daß beim Reizdarm-Syndrom eine vererbbare Komponente von großer Bedeutung sein könnte, hat sich dann aber durch weitere Studien zerschlagen. So betrug das Erkrankungsrisiko für einen zweieiigen Zwilling 16 Prozent, wenn die Mutter am Reizdarm-Syndrom litt, dagegen nur sieben Prozent, wenn der andere Zwilling daran erkrankt war. Läge ein genetischer Einfluß vor, müßte die Rate der Reizdarm-Kranken in beiden Fällen gleich hoch sein, erläuterte Allescher.

Auch ein weiterer Versuch, die genetische Hypothese zu untermauern, blieb erfolglos. Dabei untersuchten die Forscher den Aufbau relevanter Proteine in der Hoffnung, daß sich bei Reizdarm-Patienten bestimmte Übereinstimmungen finden ließen, die bei Gesunden wiederum nicht vorkommen sollten.

Aber für keines der mutmaßlich beteiligten Moleküle ließ sich eine Verbindung zwischen Struktur und Bauchbeschwerden nachweisen: weder für den Serotonin- oder den Noradrenalin-Transporter, noch für den Serotonin-2A-Rezeptor, ebenso wenig für inflammatorische Zytokine wie Interleukin 10, Transforming Growth Factor Beta 2 oder den Tumornekrosefaktor-alpha.

"Die Familiendynamik, zum Beispiel das Erlernen eines Verhaltens von den Eltern, scheint wichtiger zu sein als die Erblichkeit", sagte Allescher. Es sei zwar trotzdem möglich, daß genetische Komponenten eine gewisse Bedeutung haben, aber sie über das Untersuchte hinaus nachzuweisen sei schwierig, zumal das Reizdarm-Syndrom wohl keine Entität darstellt, sondern ein heterogenes Krankheitsbild.

Weiterhin könnten die verschiedenen Störungen durch jeweils mehrere Auslöser bedingt sein. Deshalb sei es der falsche Weg, nur einzelne Transmitter unabhängig von anderen zu betrachten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Lesetipps
Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?

Eine Ampel, bei der alle drei Lichter an sind.

© soulartist / stock.adobe.com

Häufige Nebenwirkung

Obstipation bei Schmerzpatienten: Ampeltest hilft bei Bewertung der Darmfunktion