Response-gesteuerte Therapie bei Hepatitis C steht im Mittelpunkt der neuen Leitlinie

Die Therapie von Patienten mit chronischer Hepatitis C wird noch individueller. Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem Ansprechen zu definierten Zeitpunkten.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Eine erfolgreiche Hepatitis-C-Therapie verhindert die Dekompensation einer vorhandenen Zirrhose.

Eine erfolgreiche Hepatitis-C-Therapie verhindert die Dekompensation einer vorhandenen Zirrhose.

© Foto: Sebastian Kaulitzkiwww.fotolia.de

Publiziert ist sie noch nicht, die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis C. Über die wichtigsten Empfehlungen zur Therapie allerdings herrscht Einigkeit unter den Experten, sodass Professor Thomas Berg von der Charité Berlin sie beim Gastro Update 2009 in Berlin schon einmal vorstellen konnte.

Die Leitlinie stellt klar, dass eine chronische Hepatitis C grundsätzlich eine Therapie-Indikation darstellt, natürlich unter Berücksichtigung der Kontraindikationen der eingesetzten Präparate. Die Standardtherapie besteht aus einer Kombination aus PEG-Interferon und Ribavirin. Ein früher Behandlungsbeginn sollte dabei angestrebt werden: "Bei früher Diagnostik und Therapie sprechen die Patienten besser an und haben weniger Probleme", so Berg.

Die Therapiedauer hängt von der Virusmenge ab

Die entscheidende Frage bei der Hepatitis-C-Therapie ist die der Therapiedauer. "Hier hat sich in den letzten Jahren das Konzept der Response-gesteuerten Therapie durchgesetzt, und das wird so auch in der neuen Leitlinie verankert sein", betonte Berg. Response-gesteuerte Therapie bedeutet, dass die Dauer der Interferon/Ribavirin-Therapie abhängig gemacht wird vom serologischen Verlauf der Infektion, genauer von der HCV-RNA-Menge im Serum. Ganz kurz gesagt: Wer schnell und deutlich auf die Therapie anspricht, muss weniger lang behandelt werden als jemand, der spät oder nicht so ausgeprägt anspricht.

In jedem Fall muss vor Therapiebeginn die HCV-RNA-Menge bestimmt werden, um einen Ausgangspunkt zu haben. Erneut gemessen wird vier Wochen nach Therapiebeginn. Ist die HCV-RNA dann mit einem hoch sensitiven Test nicht mehr nachweisbar (unter 12-15 IU/ml oder unter 50 IU/ml je nach verwendetem Test) und war die HCV-RNA-Menge vor Therapiebeginn kleiner als 6-8 x 10

IU/ml, dann wird bei Infektionen mit dem HCV-Genotyp 1 für 24 Wochen behandelt.

Trifft eines der beiden Kriterien nicht zu, wird zwölf Wochen nach Therapiebeginn erneut gemessen. Liegt die HCV-RNA-Menge diesmal unter der Nachweisgrenze, wird für 48 Wochen therapiert. Wer erst nach 24 Wochen Therapie unter die Nachweisgrenze kommt, sollte 72 Wochen behandelt werden. Abgebrochen wird die Therapie, wenn in Woche zwölf noch mehr als 30 000 IU/ml HCV-RNA im Serum nachweisbar sind oder wenn die HCV-RNA-Menge bis dahin um weniger als zwei Log-Stufen gefallen ist. Auch wer nach 24 Wochen noch HCV-RNA-positiv ist, wird nicht weiter behandelt.

Bei Patienten mit chronischer Hepatitis C des Genotyps 2/3 ist der Algorithmus etwas einfacher. Hier wird unter Therapie nur zweimal gemessen, nämlich vier und zwölf Wochen nach Therapiebeginn.

HCV-Genotyp 2/3: Therapie für 16, 24 oder 48 Wochen

Ist die HCV-RNA nach vier Wochen nicht mehr nachweisbar und war der Level vor Therapiebeginn unterhalb von 8x10

IU/ml, dann reichen 16 Wochen Therapie. War die HCV-RNA-Menge vor Therapiebeginn höher, sollte 24 Wochen behandelt werden. Bei allen anderen wird nach zwölf Wochen wieder gemessen. Bei wem dann die HCV-RNA-Menge um mindestens zwei Log-Stufen gefallen ist, der erhält eine 48-wöchige Therapie. Bei allen anderen wird abgebrochen.

"Unklar ist bisher, ob eine erfolgreiche antivirale Therapie die HCV-Infektion wirklich eradizieren kann, oder ob Hepatitis-C-Viren nicht doch lebenslang im Gewebe verbleiben", betonte Berg. Es spreche mittlerweile sehr viel dafür, dass es tatsächlich zu einer echten Heilung komme. So wurden in einer Studie 344 Patienten mit anhaltender virologischer Response nach erfolgreicher HCV-Therapie für bis zu 18 Jahre nachbeobachtet (Median 3,3 Jahre) und zum Teil auch per Biopsie kontrolliert. "Bei keinem dieser Patienten konnte erneut HCV-RNA nachgewiesen werden, weder im Serum noch in den mononukleären Zellen", so Berg.

Der Experte betonte, dass auch Patienten, die schon eine Zirrhose haben, von der Therapie profitieren. Wird eine anhaltende virologische Response erreicht, darf bei jedem zweiten Patienten mit einer Rückentwicklung der Zirrhose gerechnet werden. Eine Dekompensation der Zirrhose könne bei jedem erfolgreich therapierten Patienten verhindert werden, nicht aber die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms. Regelmäßige Kontrollen bleiben also unerlässlich.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Infektionsgeschehen

Höhepunkt der Grippewelle wohl überschritten

Lesetipps
Ein Mann im Krankenhaus beim Essen.

© fresnel6 / stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe