Direkt zum Inhaltsbereich

Ritzen - ein später Hilferuf von Gewaltopfern

Selbstverletzungen sind bei Opfern sexueller Gewalt nicht selten - und immer wieder nichts anderes als eigentlich eine Bitte um Hilfe.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Schnittverletzungen am Bauch eines 16-jährigen Mädchens.

Schnittverletzungen am Bauch eines 16-jährigen Mädchens.

© Dr. Benno Hartung, Düsseldorf

DÜSSELDORF. Selbstverletzungen sind bei Opfern sexueller Gewalt nicht selten. Dr. Benno Hartung vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität Düsseldorf schildert den Fall eines 16-jährigen Mädchens. Es hatte sich bei der Polizei gemeldet und erzählt, es sei von einem maskierten Mann überfallen und an einen Baum gefesselt worden.

Er habe ihr dann mit einem langen Küchenmesser Schnitte auf der Bauchhaut zugefügt (MMW 2011; 8: 5).

Allerdings wiesen diese Verletzungen fast alle Charakteristika einer Selbstbeschädigung auf, so Hartung: Es handelte sich um viele, durchweg oberflächliche und annähernd parallel angeordnete Schnitte. Diese waren für eine Selbstbeibringung leicht zugänglich und mit der Rechtshändigkeit des Mädchens vereinbar.

Ihre Kleidung war unversehrt und der Rechtsmediziner konnte keine Abwehrverletzungen oder andere Spuren äußerlicher Gewalt finden.

Auf seelische Notlage aufmerksam machen

Dies stand im Widerspruch zu den dramatischen Schilderungen des Mädchens. Es gab nach Konfrontation mit der Sachlage zu, dass es sich die Schnitte selbst beigebracht hatte. Zudem wurde die Tatsache bekannt, dass es vor längerer Zeit sexuell missbraucht worden war.

Das Mädchen wollte nach eigenen Angaben auf ihre seelische Notlage aufmerksam machen.

Nach Untersuchungen der Universität Hamburg weist etwa jede fünfte Frau, die nach einem Sexualdelikt untersucht wird, Spuren von Selbstverletzungen auf. Manchmal fügen sich Opfer sexuell motivierter Gewalt zusätzlich frische Verletzungen zu.

Nur selten soll eine Straftat vorgetäuscht werden. Vielmehr handelt es sich meist um Opfer mit einem vergleichsweise hohen Beratungs- und Behandlungsbedarf.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

DEGAM-Kongress

Wie viele KHK-Patienten rauchen?

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leserumfrage

Umfrage zur E-Patientenakte: Alltag statt Aufbruch

Lesetipps