Nach Nierentransplantation

Salzrestriktion mindert Nykturie

Mehr als die Hälfte der Empfänger von renalen Allotransplantaten entwickelt nach der Organübertragung eine nächtliche Polyurie. Eine salzrestriktive Diät hilft offenbar, das Harnvolumen in der Nacht zu senken.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

KYOTO. Nykturie ist unter den Empfängern von Spendernieren verbreitet, oft schon deshalb, weil sich die Blasenkapazität während der Zeit der renalen Minderfunktion reduziert hat. Die Blase passt sich den veränderten Gegebenheiten zwar relativ rasch an. Doch die nächtliche Polyurie bleibt nicht selten weit länger bestehen.

Ein Faktor, der dazu beiträgt, ist die Salzretention nach der Transplantation. Dies kann zu Volumenexpansion und Hypertonie nach dem Non-Dipper-Muster mit nachts erhöhten Druckwerten führen. Nächtliche Natriumexkretion und mittlerer nächtlicher Blutdruck wiederum korrelieren mit der Urinproduktion während der Nacht.

Urologen von der Universität Kyoto haben in einer prospektiven Studie mit 38 Empfängern von Nierentransplantaten untersucht, ob eine Einschränkung der Natriumzufuhr die nächtliche Harnflut einzudämmen hilft (Urology 2017, online 26. April). Die 24-Stunden-Natriumausscheidung der Probanden lag über 100 mEq (2,3 g), ihr Blutdruck war medikamentös eingestellt oder überschritt 130/80 mmHg, und ihr BMI lag jenseits von 25 kg/m2. Unter diesen Voraussetzungen hielten die Forscher eine Ernährungsberatung ohnehin für angemessen. Und so wurden die Teilnehmer in drei Sitzungen von einem zertifizierten Ernährungsberater darin unterwiesen, den Salzgehalt ihrer Mahlzeiten zu berechnen und zu reduzieren. Die Natriumzufuhr über 24 Stunden sollte 100 mEq nicht überschreiten, was in etwa dem Äquivalent von einem Teelöffel Salz entspricht.

23 (60,5 Prozent) der Probanden hatten eine nächtliche Polyurie mit einem Urinvolumen von mehr als 10 ml/kg KG, 15 blieben davon verschont. Unter der Salzrestriktion sank die Natriumausscheidung der Probanden mit nächtlicher Polyurie signifikant von 169,5 auf 125,6 mEq, das Urinvolumen ging von 862 auf 709 ml zurück. Und auch der Anteil des nachts ausgeschiedenen Volumens am 24-Stunden-Urin wurde reduziert, nämlich von 38,9 auf 33,0 Prozent. Bei den Probanden, die keine nächtliche Polyurie aufwiesen, bewirkte die salzarme Diät keine statistisch bedeutsamen Änderungen dieser Parameter.

"Die Ergebnisse unserer Studie sind mit der Hypothese vereinbar, wonach die Urinmenge in der Nacht, aber nicht während des Tages unter der Diät zurückgeht", schreibt das Team um Yoshinaga Okumura im Studienfazit. Ein solcher Diätversuch sollte einer medikamentösen Diuretikatherapie von Patienten mit Spenderniere vorausgehen. Darüber hinaus seien prospektive Studien wünschenswert, die den Effekt der Natriumrestriktion allgemein bei Patienten mit nächtlicher Polyurie testen.

33% betrug der Anteil des nachts ausgeschiedenen Volumens am 24-Stunden-Urin unter Salzrestriktion. Ohne die Diät betrug er 38,9 Prozent.

Mehr zum Thema

Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion

Niere schützen bei HFrEF – aber wie?

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie eine Gynäkologin ihre Krebserkrankung in einem Comic verarbeitet

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Lesetipps
Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Ein Mann zieht an einem riesigen Virus.

© freshidea / stock.adobe.com

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein