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Schmerz als Indikator für Depression unterschätzt

ATLANTA (ner). Hausärzte sollten Patienten, die sich mit körperlichen Beschwerden vorstellen, generell auch nach Symptomen wie Freudlosigkeit, Antriebsarmut oder Schlafproblemen fragen. Denn Depressionen gehen häufiger mit körperlichen Symptomen einher als bisher angenommen. Sie können zunächst sogar die einzigen Zeichen einer Depression sein.

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Etwa 70 Prozent der depressiven Patienten berichteten über physische Beschwerden wie Kopf-, Muskel-, Rücken- oder gastrointestinale Schmerzen, hat die Präsidentin der World Federation for Mental Health (WFMH) Dr. Patt Franciosi beim Kongreß der American Psychiatric Association (APA) in Atlanta in den USA berichtet. Jedoch denkt nur jeder dritte Arzt regelmäßig daran, daß solche Symptome Ausdruck einer Depression sein können.

Das hat eine aktuelle Umfrage im Auftrag der WFMH sowie der Unternehmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim ergeben, die auf einer Veranstaltung der Unternehmen vorgestellt wurde. Folge sei die oft verzögerte Diagnose und Therapie.

An der Telefonbefragung durch ein Marktforschungsinstitut zwischen Februar und April dieses Jahres in den Ländern Deutschland, Frankreich, Kanada, Brasilien und Mexiko hatten 377 Menschen mit diagnostizierter Depression sowie 756 Ärzte, je zur Hälfte Allgemeinmediziner und Psychiater, teilgenommen.

64 Prozent der befragten Patienten berichteten über Schmerzsymptome, die sie zum Arzt geführt hätten, so Dr. Pedro Delgado, Psychiater am University of Texas Health Sciences Center in San Antonio. 79 Prozent hatten unspezifische Symptome wie Schlafprobleme, verringertes sexuelles Verlangen, Schwindel oder Appetitverlust.

Ärzte nähmen dagegen nur für die Hälfte der depressiven Patienten an, daß sie zusätzlich oder ausschließlich körperliche Symptome präsentieren, so Delgado. Wer sechs oder mehr körperliche Symptome zeige, habe mit 80prozentiger Sicherheit eine psychische Störung, zu 60 Prozent eine Depression, sagte der US-amerikanische Psychiater mit Verweis auf eine Studie mit 1000 Patienten.

Die Tatsache, daß die Verbindung zwischen Depression und körperlich-schmerzhaften Beschwerden sowohl Patienten als auch Ärzten oft nicht bewußt ist, sei ein Grund für die niedrigen Behandlungsraten, hieß es.

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