Schweden entlasten Pandemrix

Der Grippe-Impfstoff Pandemrix hat während der Schweinegrippe für viel Wirbel gesorgt. Kritiker monierten etwa die Nebenwirkungen. Nun hat die schwedische Arzneibehörde eine Untersuchung dazu vorgelegt - mit überraschenden Ergebnissen.

Veröffentlicht:
Geimpft: Der pandemische Grippeimpfstoff sorgte während der Schweinegrippe für Diskussionen.

Geimpft: Der pandemische Grippeimpfstoff sorgte während der Schweinegrippe für Diskussionen.

© dpa

STOCKHOLM (rb/eis). Der Squalenhaltige Influenza-Impfstoff Pandemrix® hat das Risiko für Autoimmunleiden nicht erhöht. Nur in Risikogruppen könnte der Impfstoff zu einer leichten Erhöhung der Gefahr beitragen.

Epidemiologen des schwedischen Karolinska-Instituts hatten retrospektiv die Daten von rund zwei Millionen Einwohnern des Bezirks Stockholm analysiert (BMJ 2011; 343: d5956).

Etwa die Hälfte der Einwohner hatte sich von Oktober 2009 bis März 2010 mit dem Impfstoff vor Schweinegrippe schützen lassen. Erfasst wurde die Inzidenz neurologischer und autoimmuner Krankheiten acht bis zehn Monate nach Impfung.

Wenige Daten zu Narkolepsie

Keine Unterschiede zwischen Geimpften und Nichtgeimpften gab es bei Guillain-Barré-Syndrom, MS und Typ-1-Diabetes.

Die Inzidenz von Narkolepsie - hier hatte es in anderen Studien Hinweise auf mögliche Risiken durch die Impfung gegeben - war in der aktuellen Studie zu gering, um daraus Schlüsse zu ziehen.

Es gab aber auch Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Raten für idiopathische Fazialisparese, Parästhesien und entzündliche Darmleiden waren bei Geimpften im Vergleich leicht erhöht, allerdings nur bei Personen, die sich in den ersten 45 Tagen der Kampagne hatten impfen lassen.

Adjuvanz spart Antigen

Vor allem Personen aus Risikogruppen waren damals rasch geschützt worden. Unter den früh Geimpften waren daher viele Personen mit neurologischen oder autoimmunen Krankheiten.

Dies könnte die Befunde zum Teil erklären, meinen die Forscher. Nicht erhöht waren die Krankheitsraten nämlich bei den Geimpften, die später zur Impfung gegangen waren.

Impfstoffe wie Pandemrix® enthalten squalenhaltige Adjuvanzien. Dies hilft einerseits, Antigen zu sparen, andererseits löst die Beigabe vielerorts Sorgen aus.

Die Adjuvanzien, so heißt es, stimulierten womöglich Autoimmunprozesse oder verursachten neurologische Störungen. Diese Ängste werden vermutlich auch die vorliegenden Ergebnisse nicht restlos ausräumen können.

Mehr zum Thema

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?