Forschung

„Science“ erklärt Einzelzellanalyse zum Durchbruch des Jahres

„Die Einzelzellanalysen werden das nächste Jahrzehnt der Forschung verändern“, prognostiziert ein Wissenschaftler.

Veröffentlicht: 28.12.2018, 13:19 Uhr

BERLIN. Die Redaktion des Wissenschaftsmagazins „Science“ hat die Einzelzellanalyse zum Durchbruch des Jahres gewählt (Science 2018; 362, 6421: 1344-1345). Laut „Science“ hat die Einzelzell-Revolution gerade erst begonnen.

Die Einzelzellanalyse, englisch: „Single Cell Analysis“, ist ein junger, Zweig der genetischen Grundlagenforschung. Wissenschaftler, die in diesem Bereich tätig sind, versuchen, mit Hilfe höchst empfindlicher Methoden die Entwicklung und die Spezialisierung Tausender Zellen gleichzeitig zu verstehen, teilt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) mit.

Auch Optionen der KI werden genutzt

Dabei nutzten sie modernste Techniken zur Markierung einzelner Zellen im Embryo, zur massenhaften Sequenzierung des Erbguts und zur Analyse der RNA. Außerdem kämen die neuesten Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz zum Einsatz, um die dabei anfallenden gigantischen Datenmengen auszuwerten, so das MDC.

Die Forscher wollen im Detail nachvollziehen, wann welche Gene in jeder einzelnen Zelle ein- oder ausgeschaltet werden und wie durch das Zusammenspiel Organe und ganze Organismen entstehen. Ihr Ziel ist es letztlich zu erkennen, was passiert, wenn die Zellen altern, sich regenerieren oder wenn Krankheiten entstehen.

„Langfristig geht es darum, Krankheitszeichen in einzelnen Zellen möglichst früh zu erkennen, um rasch mit einer geeigneten und auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Behandlung dagegen zu steuern“, wird Professor Nikolaus Rajewsky zitiert. Rajewsky leitet das Berlin Institute for Medical Systems Biology, kurz BIMSB, am MDC.

Ein Konsortium namens „LifeTime“

In Europa habe sich bereits Anfang 2018 ein Konsortium namens „LifeTime“ gegründet, das die Einzelzellanalyse gemeinsam vorantreiben will, berichtet das MDC weiter. Maßgeblich am Projekt beteiligt seien die beiden größten europäischen Forschungsorganisationen, die deutsche Helmholtz-Gemeinschaft und das französische Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Mehr als 120 Wissenschaftler an 53 Forschungsinstituten aus insgesamt 18 europäischen Ländern sowie 60 Unternehmen unterstützten LifeTime. Koordiniert wird LifeTime vom MDC in Berlin und dem Institut Curie in Paris.

Forscher am MDC freuten sich sehr über die Entscheidung des Magazins „Science“, die Einzelzellanalyse zum Durchbruch des Jahres 2018 zu wählen. Rajewsky: „Die Einzelzellanalysen werden das nächste Jahrzehnt der Forschung verändern. Wenn wir nachvollziehen können, wie sich einzelne Zellen in Gesundheit und Krankheit entwickeln, wird das Leben und die klinischen Wissenschaften tiefgreifend verändern. Ich freue mich, dass das europäische LifeTime-Konsortium an der Spitze dieser Revolution steht!“ (eb)

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