HINTERGRUND

Selbst nach Entfernung von Teilen eines Meniskus bleibt die Sportfähigkeit vollkommen erhalten

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Von Dieter Kohn

Braucht das Knie einen Meniskus? Die Frage ist einfach zu beantworten: Ja! Die Menisken sind Lastverteiler, Stoßdämpfer und Bremsklötze des Kniegelenks. Fehlen sie, führt das zu Instabilität und innerhalb von zehn bis zwölf Jahren zu Arthrose.

Ein beschädigter Meniskus stört und macht Symptome wie Schmerz, Bewegungsbehinderung und Gelenkschwellung. Nach Entfernen der beschädigten Anteile verschwinden die Symptome, das Knie ist wieder gebrauchsfähig. Leider steigt aber das Arthroserisiko mit dem Volumen an Meniskussubstanz, das entfernt werden mußte. Die partielle Meniskusentfernung an sich beinhaltet nur ein sehr geringes Risiko. Sie wird heute durchweg arthroskopisch gemacht.

Meniskusverletzungen entstehen, wenn das Kniegelenk verdreht oder gewaltsam überbeugt wird. Prädestiniert hierzu sind zu allererst Fußballspieler. Beim alpinen Skilauf kommt es seltener zur alleinigen Meniskusverletzung. Sie ist aber gerade bei diesem Sport recht häufig mit dem Riß des vorderen Kniekreuzbandes kombiniert.

Bei einem günstig, das heißt weit am Rand gelegenen, glatten Riß des Meniskus kann dieser repariert werden. Seine schlechte Durchblutung verbunden mit der hohen mechanischen Belastung erlaubt eine Heilung und damit eine Reparatur nur in diesen Ausnahmefällen.

Großes Interesse gilt in den letzten Jahren einer Vereinfachung der Rekonstruktion durch Ergänzung oder Ersatz der alten Nahttechniken durch andere Verfahren. Der Riß wird dabei mit kleinen Kunststoffpfeilen, Schrauben, Klammern und anderem adaptiert. Generelles Problem der Methoden sind die geringere Stabilität im Vergleich zur Naht sowie Schäden durch die Implantate, die etwa Kratzspuren am Gelenkknorpel hinterlassen können.

Momentan verfahren die meisten Operateure so, daß an günstig gelegenen Stellen die sicheren und unbedenklichen Nähte bevorzugt werden, daß aber an schwer zugänglichen Arealen eine Rekonstruktion mit den neuen Implantaten vorgezogen wird.

Bis heute ist nicht klar, ob der Ersatz des Meniskus durch ein Meniskustransplantat die Arthroseentwicklung verhindern kann. Es gibt dazu widersprüchliche Resultate. Mit der Verwendung von humanen Transplantaten ist nach wie vor ein geringes Infektionsrisiko verbunden. Wir wissen jedoch, daß Schmerzen, die nach völligem Meniskusverlust auftreten können, für mindestens fünf Jahre nach Einbau eines Transplantates gemildert werden.

Nach wie vor gibt es nichts Besseres als das humane Meniskustransplantat. Es existiert kein wissenschaftlicher Beweis in Form einer Evidenz-basierten Studie auf hohem Niveau, daß ein derzeit von manchen Operateuren verwendetes Kollagenmeniskusimplantat einen Vorteil gegenüber der Meniskusteilentfernung bringt. Dieses Kollagenmeniskusimplantat ist sowieso nur für einen Teilersatz des Meniskus geeignet und nach völligem Meniskusverlust überfordert.

Nach einer Meniskusoperation geht es bei Teilresektion um die möglichst rasche Wiedergewinnung der Muskelkraft und die Vermeidung von Schwellungen am Kniegelenk. Damit ist zunächst isometrisches Training für die Oberschenkelmuskulatur und Kühlung des Gelenks für einige Tage erforderlich. In der Folge sind Bewegungsübungen gegen zunehmenden Widerstand sinnvoll. Sportartspezifisches Training ist nach etwa vier bis sechs Wochen möglich.

Problematisch ist die Rehabilitation nach Meniskusrekonstruktion, da die Gewebeheilung drei bis sechs Monate dauert und das Knie für diese Zeitdauer nicht für erhebliche Belastungen geeignet ist. In den ersten sechs Wochen nach einer Meniskusrekonstruktion kann nur isometrisch geübt werden. Der Patient muß eine Schiene tragen. Damit ist die Rehabilitation nach Meniskusnaht aufwendiger als die nach alleiniger Rekonstruktion des Kreuzbandes.

Erfreulicherweise führt eine Meniskusteilentfernung nicht zu einer Einschränkung der Sportfähigkeit. Auch nach Ausheilung einer Meniskusnaht sollte die Sportfähigkeit nicht eingeschränkt bleiben.

Es wäre wünschenswert, das Verfahren der Meniskusrekonstruktion weiter zu verbessern und zu vereinfachen, so daß es auch in der Hand weniger erfahrener Operateure standardmäßig genutzt werden kann. Der Außenmeniskusersatz müßte technisch perfektioniert werden. Auch in Europa müßten die Möglichkeiten geschaffen werden, daß eine gute Logistik die Versorgung mit Transplantaten gewährleistet und andererseits die Finanzierung des Eingriffs durch Kostenträger sichergestellt wird.

Prof. Dieter Kohn, Homburg/Saar ist seit 1996 Leiter der Orthopädie der Uni des Saarlandes. Der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) gehört er als Vizepräsident Deutschland an.

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