ICD bei über 80-Jährigen

Sinnvoll oder Übertherapie?

Wie sinnvoll ist eine ICD-Versorgung bei Patienten über 80 Jahren? Die aktuelle Datenlage hierzu wurde bei den DGK Herztagen 2016 diskutiert.

Veröffentlicht:

BERLIN. In Deutschland werden Jahr für Jahr mehr Patienten im sehr hohen Alter mit einem implantierbaren Cardioverter/Defibrillator (ICD) versorgt.

Aktuell erhalten bereits 3500 über 80-jährige Patienten pro Jahr einen implantierbaren Defibrillator, berichtete Professor Bernd Nowak, Med. Versorgungszentrum CCB im Markus-Krankenhaus.

Da stellt sich die Frage: Ist das absolute Risiko für tödliche Herzrhythmusstörungen hier überhaupt hoch genug, damit es in der verbleibenden begrenzten Lebenszeit noch ins Gewicht fällt?

Wie effektiv ist der ICD im hohen Alter? Unbestritten ist: Im Alter steigt das Risiko des plötzlichen Herztodes – aber nicht so deutlich wie das Todesrisiko aus anderen Ursachen. Das bedeutet: Im Alter nimmt die Effektivität von implantierten Defibrillatoren automatisch ab, so Nowak.

Die Datenlage bei geriatrischen Patienten indes ist dünn und widersprüchlich. Nur maximal 10 Prozent der Patienten in prospektiven Studien sind über 75 Jahre alt.

Nowak zitierte zwei Untersuchungen: Die eine beschreibt eine verminderte Gesamtmortalität nach ICD-Implantation bei über 75-Jährigen, die andere kam zum gegenteiligen Ergebnis.

Registerdaten zeigen: Die Rate adäquater Schocks ist in allen Altersgruppen etwa vergleichbar, doch die Mortalität steigt mit zunehmendem Alter an, sprich: Die Effektivität der Schocks nimmt im Alter ab.

Dies gilt sowohl für die Primär- als auch für die Sekundärprävention. Immerhin weiß man, so Nowak, dass die Komplikationen der Device-Implantation im Alter nicht zunehmen. Elektroden-Dislokationen treten sogar seltener auf.

Welche Patienten könnten von einem ICD im hohen Alter profitieren? Auch hierzu gibt es keine eindeutige Antwort, so Nowak. Mit verschiedenen Scores wird das Todesrisiko aus anderen Ursachen berechnet.

Doch keiner dieser Scores ist allgemeingültig. Einen weiteren Dämpfer hat die ICD-Behandlung durch die kürzlich publizierte DANISH-Studie bei Patienten mit Herzinsuffizienz aus nicht ischämischer Ursache erhalten.

Hier zeigte sich generell kein Vorteil für die ICD-Implantation, bei über 80-Jährigen schon gar nicht. Stets kritisch sollte auch die Frage eines Aggregatwechsels bei über 80-Jährigen geprüft werden, so Nowak.

Hierzu gibt es eine einzige Studie mit nur 42 Patienten. Nach einem Jahr waren 50 der Patienten verstorben, nach drei Jahren 65 Prozent. Zu Schockabgaben war es nach dem Aggregatwechsel bei keinem Patienten gekommen.

Gründe für einen Aggregatwechsel im Einzelfall könnten eine noch längere Lebenserwartung, adäquate Therapien sowie der Sicherheitswunsch des Patienten sein.

Gegen den Wechsel sprechen die hohe Mortalität nach dem Wechsel, das Komplikationsrisiko von 4 bis 6 Prozent sowie das sinkende Arrhythmie-Risiko. (DE)

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