Schlaganfall

So lässt sich die Zeit bis zur Lyse verkürzen

Je früher ein Patient mit ischämischem Schlaganfall eine Thrombolyse erhält, desto besser ist seine Prognose. In Kliniken lässt sich dabei mit organisatorischen Veränderungen die sogenannte Door-to-Needle-Time (DNT) bei Betroffenen deutlich verkürzen.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:

MÜNCHEN. "Eine DNT von unter 30 Minuten im Durchschnitt kann jede Klinik schaffen", meint Professor Joachim Röther von der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Hamburg-Altona.

In seiner Klinik lag die Door-to-Needle-Time (DNT) 2012 im Mittel schon bei 32 Minuten und er hat sie inzwischen weiter reduziert. "Zuerst einmal müssen Sie aber ihre Zeit überhaupt kennen", sagte er bei der Neurowoche in München.

So wird Zeit gespart

In Melbourne in Australien schaffte es eine Klinik innerhalb von vier Monaten die DNT auf im Mittel 25 Minuten zu senken (Neurology 2012; 79: 306).

Zentrale Maßnahmen waren: Der Rettungsdienst informiert vorab über Details des Patienten, die Patienten werden direkt von der Krankentrage auf den CT-Tisch transferiert und dort wird auch direkt die Lyse eingeleitet, wenn die Bildgebung erfolgt ist. Das funktioniert auch in Hamburg, berichtete Röther.

Gerade der direkte Transfer von der Rettungsliege auf den CT-Tisch spare sehr viel Zeit ein. Mit acht Schritten lasse sich die magische 30 Minuten-Grenze der mittleren DNT erreichen:

- Vorankündigung durch Rettungsdienst,

- Rettungsdienst bringt Medikamentenliste und Telefonnummern der Angehörigen,

- Stroke-Team erwartet Patienten,

- CT freihalten,

- Patient direkt auf CT-Tisch,

- CoaguCheck sofort durchführen,

- Labortests nicht abwarten,

- rtPA-Bolus auf dem CT-Tisch starten.

Schneller in die Stroke Unit

Die DNT ist das eine, die Zeit vom Symptombeginn bis zur Einlieferung in die Klinik das andere. Die Aufklärung in der Bevölkerung ist aufwändig und erreicht vor allem diejenigen, die bereits gut informiert sind, beklagte Röther. Bildungsferne Schichten würden hingegen kaum erreicht.

Aber auch Rettungssanitäter brauchen eine Fortbildung, um bei Schlaganfallverdacht frühzeitig die Stroke Unit zu informieren und wichtige Informationen wie Medikamentenliste und Telefonnummern der Angehörigen in die Klinik mitzubringen.

"Wir haben in Hamburg 60 Fortbildungen veranstaltet - wir wollten sicher sein, dass wirklich alle Rettungssanitäter diese Fortbildung auch mitgemacht haben", berichtete Röther.

In Hamburg sind alle Rettungsdienste angewiesen, potenzielle Schlaganfallpatienten in Kliniken mit Stroke Units einzuliefern. Röther weiß, dass man sich damit nicht nur Freunde macht.

Nicht wenige Kliniken behandeln immer noch Patienten mit akutem Schlaganfall ohne die Spezialisierung: Bundesweit werden immer noch 22 Prozent der Schlaganfallpatienten nicht in Stroke Units behandelt, 38 Prozent der Kliniken, die Schlaganfallpatienten behandeln, führen grundsätzlich keine Thrombolyse durch (Fortschr Neurol Psychiatr 2013; 81: 579).

Das kann nicht im Sinne der Patienten sein. "Das gibt Konflikte, aber das müssen sie klären und mit behördlicher Unterstützung regeln", empfahl Röther.

In Hamburg wurde per behördlicher Anweisung festgelegt, dass Rettungsdienste Schlaganfallpatienten direkt in Stroke Units bringen. Nicht nur die Spezialisierung, auch die Quantität macht's: Große Schlaganfalleinheiten mit einer hohen Zahl an Patienten erreichen eine kürzer DNT (Stroke 2013; 44: 3129) - ganz im Sinne von Time is brain.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

ACC-Kongress

Vorhofflimmern: Kann ein Vorhofohrverschluss die Antikoagulation ersetzen?

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?