Bundespressekonferenz

Spahn: „Lage ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in dieser Pandemie“

Weitere Corona-Höchstwerte und eine neue Virusvariante namens B.1.1.529: Noch-Bundesgesundheitsminister Spahn fordert deutliche Kontaktbeschränkungen. Südafrika wird ab kommender Nacht Virusvariantengebiet.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
In großer Sorge wegen der Corona-Lage: RKI-Präsident Professor Lothar Wieler und der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.).

In großer Sorge wegen der Corona-Lage: RKI-Präsident Professor Lothar Wieler und der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.).

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin. Die in Südafrika entdeckte neue Corona-Variante B.1.1.529 ist nach Kenntnis des Robert Koch-Instituts (RKI) bislang noch nicht in Deutschland aufgetreten. „Bis halb zehn ist mir nicht bekannt, dass in der EU oder in Deutschland diese Variante gefunden wurde“, sagte RKI-Präsident Professor Lothar Wieler am Freitag in der Bundespressekonferenz.

Das RKI stehe zu der neuen Virusvariante, die wegen „sehr vieler Mutationen insbesondere am Spike-Protein“ auffalle, in engem Austausch mit südafrikanischen Wissenschaftlern. Viele der Mutationen seien vorher bereits entdeckt worden. Dennoch sei man in „sehr großer Sorge“, so Wieler.

14-tägige Quarantäne nach Ankunft

Um einen Eintrag der neuen Virusvariante nach Deutschland zu verhindern, soll Südafrika zum Virusvariantengebiet erklärt werden. Die Regelung trete in der Nacht zu Samstag in Kraft, kündigte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern.

Nach Ankunft gelte eine 14-tägige Quarantäne, auch für Geimpfte und Genesene. Reisenden, die in den vergangenen Tagen aus Südafrika nach Deutschland gekommen seien, riet Spahn, sich einem PCR-Test zu unterziehen.

„Das ist eine erforderliche, proaktive, präventive Schutzmaßnahme, um einen Eintrag nach Deutschland zu vermeiden“, so Spahn. „Das Letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine eingeschleppte neue Variante, die noch mehr Probleme macht.“ Auch die EU plane entsprechende Maßnahmen. Womöglich würden weitere Nachbarländer Südafrikas zu Virusvariantengebieten erklärt. Welche genau, darüber werde gerade beraten.

Dittmar: „Eintrag vermeiden“

„Die Meldungen über die Infektiosität der südafrikanischen Virusvariante B.1.1.529 sind sehr besorgniserregend“, meldete sich am Freitag auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, zu Wort. Angesichts der derzeitigen „enormen Infektionsdynamik“ in Deutschland sei „dringend“ zu verhindern, dass eine weitere Virusvariante eingetragen werde. Südafrika zum Virusvariantengebieten zu erklären, sei daher richtig, sagte Dittmar.

Spahn forderte mit Blick auf die aktuelle Corona-Lage mehr Kontaktbeschränkungen. „Die Zahl der Kontakte muss runter, deutlich runter.“ Die Situation sei „dramatisch ernst – so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in dieser Pandemie“.

Kritik an Ampel-Koalitionären

Scharfe Kritik übte Spahn an den voraussichtlich künftigen Regierungsparteien. „Zu viele – auch in politischer Verantwortung oder in künftiger Verantwortung – scheinen zu denken, wird schon irgendwie gut gehen. Wird es aber nicht – jedenfalls nicht von allein.“

Wer glaube, dass die vierte Welle nur durch Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen rolle und den „Rest von Deutschland verschont“, der irre, warnte Spahn. „Diese Welle wird weiter gen Westen und Norden ziehen. Das ist ziemlich sicher.“

Nötig sei daher die Absage von Feiern und Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten sowie die Einhaltung der 2G-Plus-Regel, appellierte Spahn. „Umso stärker wir jetzt auf die Bremse treten, desto besser.“ Man könne nicht weitere zehn Tage warten. Diese Zeit hätten die völlig überlasteten Pflegekräfte auf Intensivstationen nicht. Die Regierungschefs der Länder wollen am 9. Dezember über die Corona-Maßnahmen beraten. Zur Debatte über eine Impfpflicht erklärte Spahn: Man könne diese Diskussion ja führen. Sie helfe aber nicht, um die aktuelle Welle zu brechen.

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