Nervenzellen

Spezielle Lizenz für Landschaften

Veröffentlicht:

BONN.Ein rotglühender Sonnenuntergang oder die schier unendliche blaue Weite in der Karibik – solche Bilder hinterlassen einen besonders intensiven Eindruck. Im menschlichen Gehirn gibt es Nervenzellen, die auf Landschaften spezialisiert sind und kaum auf Personen, Gegenstände oder Tiere reagieren, teilt die Universität Bonn mit. Wie diese im Temporallappen angesiedelten Gehirnzellen arbeiten, hat nun ein internationales Forscherteam unter Federführung der Uni Bonn an Patienten untersucht, denen Elektroden ins Gehirn implantiert worden waren.

"Von Untersuchungen mit funktioneller Kernspintomografie ist bekannt, dass die Parahippocampale Place Area (PPA) im Gehirn aktiviert wird, sobald Eindrücke von Landschaften verarbeitet werden", wird Professor Florian Mormann von der Bonner Uniklinik für Epileptologie in der Mitteilung zitiert. Die PPA ist im parahippocampalen Cortex verortet, einer Gehirnstruktur im Temporallappen. Zusammen mit Forschern aus den USA, Großbritannien und Israel untersuchte Mormann diese Struktur auf der Ebene einzelner Nervenzellen. Diese Möglichkeit bot sich, weil insgesamt 24 Epilepsie-Patienten mit ihm zusammenarbeiteten, heißt es in der Mitteilung. Um die genaue Lage des Anfallsherdes im Gehirn zu lokalisieren, hatten die Patienten Elektroden implantiert bekommen. Später sollten die Epilepsie auslösenden Hirnareale möglichst präzise chirurgisch entfernt werden. Die Patienten erklärten sich bereit, sich auch für die Erforschung der PPA zur Verfügung zu stellen. Durch die Elektroden führten die Forscher Bündel feiner Drähte in den parahippocampalen Cortex ein, die in unmittelbarer Nähe von Gehirnzellen zu liegen kamen. Damit konnten die Forscher nun die Erregung einzelner Nervenzellen messen. Während die Elektroden die Nervenimpulse aufzeichneten, bekamen die Patienten Fotos von Landschaften – zum Beispiel Sonnenuntergänge, Wälder oder Flussniederungen – sowie Bilder von Gegenständen, Personen oder Tieren zu sehen. Während bei Letzteren die PPA-Nervenzellen nur eine schwache Erregung zeigten, waren die Ausschläge der Signale bei Landschaftsbildern viel stärker. Je ausgeprägter der räumliche Hintergrund und je größer die Tiefe der Bilder, umso heftiger feuerten die Nervenzellen. Besonders stark war diese Reaktion, wenn es sich um Außenaufnahmen handelte. Dieses Muster zeigte sich durchweg auch bei mehrfachen Wiederholungen. "Wir untersuchten auf diese Weise auch weitere Hirnstrukturen, den Hippocampus und den entorhinalen Cortex, doch nur beim parahippocampalen Cortex zeigte sich eine bevorzugte Verarbeitung von Landschaften", so Mormann. Wie Berechnungen der Wissenschaftler zeigen, wird diese ausgeprägte Erregung durch ein Netzwerk von Nervenzellen ausgelöst. Dabei übernimmt wahrscheinlich jede Gehirnzelle eine bestimmte Aufgabe, indem sie zum Beispiel die Tiefe des Raumes oder den Hintergrund kategorisiert. (eb)

Mehr zum Thema

Ratgeber für die Praxis

Wie Ärzte mit ADHS erfolgreich im Beruf sein können

Daten von 2020

Zahl der Borreliose-Diagnosen ist gestiegen

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Das alte Muster 1 wird in die Einzelteile zerlegt und digitalisiert. Heraus kommt ein Stylesheet, das ganz ähnlich aussieht – aber mit Barcode.

© mpix-foto / stock.adobe.com

Praxis-EDV

So funktioniert die eAU auch ohne TI

„ADHS-Patienten haben eine besondere Wahrnehmung für die Befindlichkeiten ihres Gegenüber“, erläutert Dr. Heiner Lachenmeier. Und das sei eine Eigenschaft, die auch bei Psychiatern und Psychologen von Berufs wegen stark ausgeprägt ist.

© S.Kobold / stock.adobe.com

Ratgeber für die Praxis

Wie Ärzte mit ADHS erfolgreich im Beruf sein können