Mamma-Karzinom

Sport bessert die Prognose bei Brustkrebs

Frauen mit Brustkrebs sollten drei bis fünf Stunden Sport pro Woche treiben und Übergewicht vermeiden, rät die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Die Experten warnen zudem vor zu viel Alkoholkonsum.

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht:
Eine Frau beim Wandern. Von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren auch Frauen mit Brustkrebs.

Eine Frau beim Wandern. Von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren auch Frauen mit Brustkrebs.

© Jürgen Wöhrle / fotolia.com

HAMBURG. In der aktualisierten Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) gibt es wichtige neue Empfehlungen in puncto Histopathologie, neoadjuvante Chemotherapie sowie zur Antikörperbehandlung. Außerdem enthält sie neue Aspekte zum Lebensstil bei Brustkrebspatientinnen.

Bei einem primären Mammakarzinom senkt die adjuvante Chemotherapie das Rezidivrisiko um etwa 25 Prozent. "Um jedoch gerade bei nodal-negativen Patientinnen eine Übertherapie zu vermeiden, sollte bei HER2-negativen, mäßig differenzierten Karzinomen außer den klassischen histopathologischen Faktoren auch der uPA*/PAI-1**-Test zur Therapieentscheidung herangezogen werden", empfahl Professor Nadia Harbeck aus Köln beim Senologie-Kongress in Hamburg.

Diese zusätzliche Maßnahme wird in der überarbeiteten Leitlinie der "Kommission Mamma" der AGO mit einem "+" bewertet. Multigen-Analysen wie MammaPrint® oder Oncotype® werden derzeit in Studien evaluiert, Empfehlungen könnten hierzu noch nicht ausgesprochen werden.

Taxane eignen sich auch zur präoperativen Therapie

Eine wichtige Botschaft hatte Harbeck auch zur neoadjuvanten Chemotherapie: Anthrazykline und Taxane sind essenzielle Bestandteile der präoperativen Behandlung. Auch beim nodal-negativen Mammakarzinom sollte bei Hochrisikopatientinnen der Einsatz von Taxanen erwogen werden, empfiehlt die AGO und bewertet dieses Vorgehen in ihrer Leitlinie mit einem "+".

Das krankheitsfreie Überleben bessert sich signifikant, wenn die Patientinnen außer einem Anthrazyklin und Cyclophosphamid ein Taxan (TAC-Schema) statt 5-FU (FAC-Schema) erhielten, so Harbeck. Bei nodal-positiven Patientinnen mit mehr als vier befallenen Lymphknoten bietet ein dosisintensiviertes Schema mit Epirubicin, Paclitaxel und Cyclophosphamid (ETC-Schema) einen signifikanten Vorteil beim krankheitsfreien Überleben gegenüber einer anthrazyklin- und taxanhaltigen Sequenz.

Harbeck: "Diese Therapie sollte jedoch erfahrenen Zentren vorbehalten bleiben."

Vorteile für Trastuzumab bei HER2-positivem Tumor

Bei HER2-positivem Mammakarzinom ermögliche eine einjährige Trastuzumab-Therapie einen Überlebensvorteil bei nodal-negativen und -positiven Patientinnen, so Harbeck. Die Sterberate verringere sich um ein Drittel. Die AGO-Leitlinie empfiehlt die simultane Applikation von Trastuzumab mit einer taxanhaltigen Chemotherapie mit "++".

Auch körperliche Aktivität und die Vermeidung von Übergewicht verbessern die Prognose von Brustkrebspatientinnen, sagte Professor Wolfgang Janni aus Düsseldorf. Die Nurses' Health Study habe eine sechsprozentige Mortalitätsreduktion bei 3 bis 5 Stunden körperlicher Aktivität pro Woche nachgewiesen. "Das ist in etwa die Größenordnung unterschiedlicher Generationen Chemotherapeutika", kommentierte Janni. Als Bewegungsprogramm biete sich Walking oder ähnliches an, empfahl der Gynäkologe.

Mehrere Studien hätten zudem den Einfluss des Körpergewichts auf das Überleben nachgewiesen, erklärte Janni. Ab einem BMI (Body-Mass-Index) von 25 steigt das Risiko deutlich, an Brustkrebs zu sterben. Im Gegensatz dazu führt eine Reduktion des Fettanteils zu einem signifikant längeren rezidivfreien Überleben, wie Janni anhand einer Untersuchung mit 2437 Patientinnen zeigte, die im Mittel 2,3  kg abgenommen hatten.

Die AGO-Empfehlungen "Anstreben eines normalen BMI" sowie "drei bis fünf Stunden körperliches Training pro Woche" sind jeweils mit "++" versehen, eine ausgewogene (fettarme und ballaststoffreiche) Ernährung mit "+". Radikale Hungerdiäten, einseitige Ernährung und Genussgifte (Alkohol und Nikotin) sollten dagegen vermieden werden.

Janni: "Patientinnen, die nach der Erstdiagnose täglich mehr als sechs Gramm Alkohol zu sich nehmen, haben einen signifikanten Überlebensnachteil. Bei gleichzeitig hohem BMI wird die Prognose noch schlechter." Zehn Gramm Alkohol entsprechen einem Achtel Liter Wein.

www.ago-online.de

*uPA: Plasminogenaktivator vom Urokinasetyp **PAI-1: Plasminogenaktivator-Inhibitor 1

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