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Bewegung kann Leben retten

Sport schützt das Herz von Brustkrebspatientinnen

Je stärker sich Frauen mit nicht metastasiertem Mammakarzinom sportlich betätigen, umso seltener entwickeln sie kardiovaskuläre Erkrankungen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Experten empfehlen regelmäßigen Sport nach Brustkrebs.

Experten empfehlen regelmäßigen Sport nach Brustkrebs.

© Jupiterimages / Thinkstock

NEW YORK. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind inzwischen die führende Todesursache bei Frauen mit nicht metastasiertem Brustkrebs. Das ist teilweise eine Konsequenz der Fortschritte in Diagnostik und Therapie, die die krebsspezifische Mortalität so weit zurückgedrängt haben, dass andere Todesursachen an ihre Stelle treten.

Ergebnisse einer US-Studie

Kurz nach der Diagnose „Brustkrebs“ wurden 2973 Frauen standardisiert zu ihrem sportlichen Freizeitverhalten befragt.

Patientinnen, die mindestens die in Leitlinien empfohlenen 9 MET (Metabolic Equivalent Task)-h pro Woche erreichten, hatten im Vergleich zu Frauen, die das nicht schafften, ein um 23 Prozent reduziertes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.

Der Nutzen des sportlichen Engagements war unabhängig von Alter, kardiovaskulärem Risikoprofil, Menopausenstatus und Art der Krebstherapie.

Therapiebedingt kommt es zudem häufig zu einer absoluten Zunahme des Herz-Kreislauf-Risikos, weil die Behandlung direkt kardiotoxisch wirkt (zum Beispiel Doxorubicin), das kardiovaskuläre Risikoprofil verändert (zum Beispiel Aromatasehemmer) oder über eine schlechtere Kondition dazu beiträgt.

Vermeiden lassen sich kardiovaskuläre Komplikationen nach den Erkenntnissen von US-amerikanischen Onkologen, wenn die Patientinnen regelmäßig Sport treiben. In einer prospektiven Beobachtungsstudie waren Frauen, unabhängig von ihrem Basisrisiko, umso seltener von Herz-Kreislauf-Ereignissen betroffen, je mehr sportlichen Aktivitäten sie nach der Krebsdiagnose nachgingen (J Clin Oncol 2016; online 23. Mai ).

2973 Frauen untersucht

Bei den 2973 Studienteilnehmerinnen war im mittleren Alter von 57 Jahren ein nicht metastasiertes Mammakarzinom im AJCC-Stadium I-IIIA diagnostiziert worden. Kurz nach der Diagnose waren sie standardisiert zu ihrem sportlichen Freizeitverhalten befragt worden.

Aus den Angaben errechneten die Studienautoren um Lee W. Jones vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York den damit verbundenen Energieverbrauch in MET-Stunden pro Woche (MET: Metabolic Equivalent Task). US-Leitlinien empfehlen für erwachsene Krebspatienten pro Woche mindestens 9 MET-h; das entspricht drei bis fünf Einheiten mit mittlerer bis hoher Trainingsintensität von mindestens 20-minütiger Dauer.

Während der Nachbeobachtungszeit von median 8,6 Jahren wurden 862 kardiovaskuläre Ereignisse registriert, darunter waren 203 Neudiagnosen einer KHK und 307 einer Herzinsuffizienz.

Teilte man die Patientinnen entsprechend ihrem Energieverbrauch beim Sport in vier gleich große Gruppen - = 2,0, 2,1-10,3, 10,4-24,5 und > 24,6 MET-h/Woche -, dann waren die höheren Kategorien jeweils mit einer niedrigeren Rate von kardiovaskulären Ereignissen verbunden.

Lebensstil berücksichtigt

Der Vorteil intensiveren körperlichen Trainings blieb auch dann erhalten, wenn man berücksichtigte, dass die sportlich aktiveren Frauen aufgrund eines niedrigeren Alters und eines auch sonst gesünderen Lebensstils per se ein geringeres Herz-Kreislauf-Risiko hatten. Wurden diese Differenzen abgeglichen, hatten Frauen des Quartils zwei bis vier im Vergleich zum untersten Quartil eine um 9 Prozent, um 21 Prozent beziehungsweise um 35 Prozent reduzierte kardiovaskuläre Ereignisrate. Ähnliche Trends zeigten sich für die KHK und die Herzinsuffizienz.

Patientinnen, die mindestens die in Leitlinien empfohlenen 9 MET-h pro Woche erreichten, hatten im Vergleich zu Patientinnen, die das nicht schafften, ein um 23 Prozent reduziertes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse; KHK- und Herzinsuffizienz-Risiko waren um 26 Prozent und 29 Prozent vermindert.

Der Nutzen des leitliniengemäßen sportlichen Engagements war unabhängig von Alter, kardiovaskulärem Risikoprofil, Menopausenstatus und Art der Krebstherapie. So sank die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen mit bzw. ohne Doxorubicin um 23 Prozent bzw. 21 Prozent und mit und ohne Aromatasehemmer jeweils um 22 Prozent. Nur bei Frauen mit einem BMI von 35 und mehr war kein Nutzen zu erkennen.

Laut Jones und Kollegen sollte Brustkrebspatientinnen, sofern sie dazu in der Lage sind, geraten werden, regelmäßig an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, mit denen sie auf den empfohlenen Energieverbrauch von mindestens 9 MET-h/Woche kommen. Die von ihnen festgestellte klare Dosis-Wirkungs-Beziehung spreche allerdings dafür, über diese "Minimal-Empfehlung" hinauszugehen, um die kardiovaskuläre Schutzwirkung zu erhöhen.

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