Direkt zum Inhaltsbereich

Bei Ungeborenen

THC verändert dopaminerges System

Cannabiskonsum in der Schwangerschaft verändert wohl nachhaltig die dopaminerge Signalübertragung im Gehirn des ungeborenen Kindes.

Veröffentlicht:

Cagliari. Cannabiskonsum während der Schwangerschaft beeinträchtigt ja die Gehirnentwicklung ungeborener Kinder und macht sie anfälliger für psychiatrische Störungen. Ein internationales Forscherteam hat nun an Ratten untersucht, welche molekularen und zellulären Prozesse im Gehirn durch Tetrahydrocannabinol (THC) gestört werden und wie sich die Schäden womöglich beheben lassen (Nat Neurosci 2019; online 14. Oktober).

Die Forscher um Dr. Roberto Frau von der Universität Cagliari wollten herausfinden, inwiefern THC wichtige Dopamin-Neuronen bereits pränatal verändert. Dazu verabreichten sie schwangeren Ratten zwei Wochen lang täglich subkutan 2 mg / kg Tetrahydrocannabinol. Anschließend beobachteten sie bei den männlichen Nachkommen exponierter Muttertiere vielfältige molekulare, zelluläre und synaptische Veränderungen, die nachhaltig die dopaminerge Signalübertragung im Gehirn beeinflussten.

Darüber hinaus zeigten betroffene Tiere nach ihrer Geburt Verhaltensauffälligkeiten und sensomotorische Defizite. Interessanterweise konnten die Störungen nach Behandlung mit Pregnenolon, einem Vorläufermolekül von Progesteron, behoben werden.

„Pregnenolon blockierte [...] den Cannabinoid-Rezeptor Typ 1, der unter anderem durch THC aktiviert wird“, so Dr. Wolfgang E. Paulus, Universitätsfrauenklinik Ulm, im Gespräch mit dem Science Media Center. Damit wirke es zwar dem THC-Effekt auf Ebene der Rezeptoren entgegen, ob damit aber die Einflüsse eines Dauerkonsums von Cannabis in der Schwangerschaft beseitigt werden können, müsse erst durch Untersuchungen beim Menschen bestätigt werden. Sicherer sei es in jedem Fall, während der Schwangerschaft gänzlich auf Cannabis zu verzichten.

„Die Ergebnisse der Studie sind klinisch hoch relevant“, berichtet Professor Ursula Havemann-Reinecke, Universitätsmedizin Göttingen. Bisher seien die direkten komplexen Effekte von chronischem THC-Konsum in der Schwangerschaft auf das dopaminerge System des Gehirns des Kindes noch nicht gezeigt worden. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

DEGAM-Kongress

Wie viele KHK-Patienten rauchen?

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen