HINTS und Videookulografie

Testbatterie deckt zentralen Schwindel auf

Bei der Vertigo-Diagnostik in der Notaufnahme helfen drei klinische Tests bei der Unterscheidung zwischen peripherem und zentralem Schwindelsyndrom. Möglicherweise ist die zusätzliche Videookulografie eine Option, die Genauigkeit des Testergebnisses weiter zu verbessern.

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Schwindelig: Bei der Vertigo-Diagnostik in der Notaufnahme haben sich der Kopfimpulstest, die Nystagmusprüfung für spontane Augenbewegungen plus der Augenabdecktest für Augenfehlstellungen bewährt. Stephan John / panthermedia

ST. LOUIS. Drei Tests bezeichnet man in der der Vertigo-Diagnostik zusammen als HINTS (Head-Impuls, Nystagmus, Test of Skew). Es handelt sich dabei um den Kopfimpulstest, die Nystagmusprüfung für spontane Augenbewegungen sowie den Augenabdecktest für Augenfehlstellungen.

Bei der quantitativen Videookulografie erfolgen zudem Messungen der Kopf- und Augengeschwindigkeit per Video während des horizontalen Kopfimpulstests.

Klinische Zeichen einer zentralen Störung sind nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: vertikale Divergenz, Blickrichtungsnystagmus entgegen der Richtung eines Spontannystagmus, Blickfolge-Sakkadierung, Fixationsnystagmus (Nystagmus ist durch visuelle Fixation nicht unterdrückbar) sowie bei akutem Schwindel mit Nystagmus ein unauffälliger Kopfimpulstest.

Bei Kombination womöglich noch höhere Sensitivität

Auf der Suche nach Publikationen, in denen es vor allem um die diagnostische Genauigkeit der Untersuchungen ging, entdeckte Dr. Brian Cohn von der Washington School of Medicine in St. Louis mehrere Studien mit hoher Sensitivität für den Nachweis von zentralen Schwindelsyndromen (Ann Emerg Med 2014; online 19. Februar).

So lag zum Beispiel die Sensitivität von HINTS in einer Studie von Dr. David E. Newman-Toker von der Johns Hopkins-Universität in Baltimore und seinen Kollegen bei knapp 97 Prozent (Acad Emerg Med. 2013; 20: 986).

An der prospektiven Studie hatten 190 Patienten mit unter anderem Nystagmus, Übelkeit und Erbrechen, Gangunsicherheit und mindestens einem Risikofaktor für Schlaganfälle, etwa Rauchen oder Diabetes, teilgenommen.

Mit einem MRT innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn entdeckten die Ärzte in dieser Studie korrekt bei 98 von 113 Patienten einen Schlaganfall (Sensitivität: 86,7 Prozent). Mithilfe der HINTS-Tests lag die Sensitivität für das Vorliegen eines Schlaganfalls dagegen bei 96,5 Prozent. Wurden jegliche zentrale Läsionen betrachtet, lag die Sensitivität mit 96,8 Prozent noch etwas höher.

Noch höher ist die Sensitivität möglicherweise, wenn HINTS mit einer Videookulografie kombiniert wird. Geprüft hatten das Newman-Toker und seine Kollegen mit einem tragbaren Gerät in einer kleinen prospektiven Studie mit zwölf Patienten, wie Cohn berichtet (Stroke 2013; 44: 1158).

Weitere Studien nötig

Durch die Kombination lag die Sensitivität der Untersuchungen bei 100 Prozent: Die Schlaganfälle bei sechs Patienten sowie sechs periphere Schwindelsyndrome wurden korrekt diagnostiziert. In größeren Studien soll dieses Ergebnis nun überprüft werden.

Cohn weist darauf hin, dass alle Studienteilnehmer zur Gruppe von Patienten mit mäßigem bis hohem Erkrankungsrisiko gehörten. Vorsicht sei deshalb bei der Anwendung und Interpretation der Tests bei Patienten mit niedrigem Risiko geboten.

Darüber hinaus hätten die Tests in allen Studien speziell ausgebildete Ärzte gemacht. Notfallmediziner müssten möglicherweise für die Ausführung der Tests und die Interpretation der Testergebnisse extra geschult werden. (ple)

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